Cut.Rate.Box



DH: Zu Anfang kannst Du uns etwas über Euch und Eure musikalische Entwicklung erzählen. Wann begann alles mit CUT.RATE.BOX?

g.: Ich startete mit Cut.Rate.Box 1989 als die Band, in der ich mich befand, auseinander ging. Zu der Zeit arbeitete ich mit dem, was man damals als fortgeschrittene Computer Audio Technologie bezeichnete - ein Commodore Amiga 1000: Vier Audiospuren, vier Midispuren und die Möglichkeit alles im Computer für Manipulationen zu mixen. So war das damals. Wie dem auch sei, ich reiste viel umher, sammelte hier und da Zubehör, genauso wie auch unterschiedliche Perspektiven in mir selbst und meiner Umgebung. Schließlich kam ich nach New Orleans, nachdem ich entschied, daß er als einziger Ort übrig- blieb, der in den USA interessant ist. Ich war in der Lage die Einflüsse und Ideen, was ich ich musikalisch ausdrücken wollte, zu einer soliden Basis zu verschmelzen.

Clint - Ich kam zu cut.rate.box als g nach New Orleans zog. Ich fing gerade damit an electronische Musik zu machen. Ich spielte in den vorherigen Bands meistens Gitarre. Das war zu der Zeit als Musiksoftware sehr fortschrittlich wurde. Die Kombination Digital-Audio-Sequenzer, Midi und Hard Disk Recording machte es mir möglich meine eigenen Songs zu schreiben mit wenig Geld oder Equipment. Ich verfiel dem Musikmachen auf diese Art und Weise und habe seitdem nicht zurückgeschaut.

DH: Warum wähltet Ihr den Namen CUT.RATE.BOX und was wollt Ihr damit ausdrücken?

g.: Das war so, Ich sah es auf einem alten Wassersilo außerhalb eines verlassenen Backsteingebäudes. "cut rate box" war alles was dort stand - aber es lies eine Saite (kein Wortspiel beabsichtigt) in mir anklingen. Diese Zweideutigkeit - sie bedeutet immer noch einen interessanten Punkt (wie Du erkennst), denn sie ist so unspezifisch. Du kannst nicht auf den Namen schauen und sofort wissen, was Du erwartest. Nicht wie Core Failure 93 oder ähnliches.

DH: Wieso wurde EBM Euer Musikstil?

Clint - Ich denke nicht, daß cut.rate.box wirklich eine pure EBM Band ist. Es gibt viele verschiedene Stile, auch außerhalb der electronischen Tanzmusik- szene, die uns beeinflusst haben. Es gibt gewiss EBM-Elemente in unserem neuesten Material, aber ich denke daß unsere Cds eine viel grössere Bandbreite und Tiefe an Stilen haben als es ein Projekt hätte, daß nur auf puren EBM fokusiert ist. g und ich beide hören sehr viel Trancemusik und sind sehr beeinflusst worden von Bands wie Front 242, daher denke ich, daß es nur natürlich für einen Teil unserer Musik ist, diesen Sound zu haben.

g.: Ganz genau. Obwohl Clint und ich viele Einflüsse teilen, haben wir beide viele unterschiedliche in der Vergangenheit gehabt. Ich denke wir wurden mit dem Begriff EBM assoziiert, da dies der einfachste Weg für ein Label in dieser Subkultur ist. Die Menschen, die nicht in der gegenwärtigen EBM/synthpop/electro Szene sind, bezeichneten unser Material als alles von Gothic über Techno bis zu Alternativrock.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der neuen CD "Dataseed"?

Clint - Einige der Songs auf "Dataseed" liegen mehr als ein Jahr zurück. Wir schreiben beständig Songs und speichern sie als Möglichkeiten. Ich denke die letzten Arrangements, Mixing und Mastering wurde jedoch innerhalb eines Monats durchgeführt.

DH: Magst Du die Arbeit um Studio?

Clint - Viel von unserer Musik wird elektronisch mit Software gemacht. Es gibt für uns keinen Nutzen für ein traditionelles Studio, abgesehen vom Mixing und möglichen Gesangsaufnahmen. g und ich tauschen unsere Ideen gegenseitig aus, indem wir die Songfiles uns gegenseitig geben, genauso wie wir zusammen in unser eigenes 0xF8 studio gehen um dort zusammenzuarbeiten.

DH: Aufgrund der Technologie, sind wir darin frei zu jeder Zeit experimentieren zu können und nehmen uns so lange wie wir brauchen, um it etwas einverstanden zu sein. Es gibt keine Abläufe wie in einem typischen Studio in dem man zu einem bestimmten Ort gehen muß, wo man 20-30 Stunden bleiben muss und dabei etwas entsteht, mit dem glücklich ist.

DH: Wie kam es zu dem Plattenvertrag mit Accession Records (Germany)?

Clint - Wir wurden von einem örtlichen Promoter, der später unser Manager wurde, gefragt hier in den USA ein Konzert mit Covenant und Diary of Dreams in Baton Rouge, Louisiana zu spielen. Der Besitzer von Accession Records Adrian Hates ist die treibende Kraft hinter Diary of Dreams und ihm gefiel unser Auftritt mit ihnen. Nachdem er sich die Demos anhörte, die wir zu der Zeit hatten, fragte er uns, ob wir daran interessiert wären, etwas auf seinem Label zu veröffentlichen. Das war eine tolle Gelegenheit. Wir waren sehr unbekannt in Europa zu der Zeit.

DH: Wir entsteht ein neuer Song? Was sind die wichtigsten Punkte?

Clint - Es ist nicht immer das gleiche, aber wir fangen oft damit an eine Musiksoftware zu benutzen, die sich Fruity Loops nennt (www.fruityloops.com), um die meisten Ideen zu generieren. g und ich tauschen uns diese Files immer wieder aus, jeder arbeitet mit den Ideen des anderen, bis wir uns dafür entscheiden, daß ein bestimmtes File gut genug ist, um es als kompletten Song zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt übertragen wir die Daten in Cubase und fangen mit dem Gesang und den Arrangement Ideen an.

g.: Jeder Song ist anders bis ich damit anfange am Gesangstext zu arbeiten. Einige zeigen sich sehr präsent, und anderen muss ich erst gut zureden. Zu dem Zeitpunkt, wo der Song musikalisch fertig ist, habe ich einige Ideen für die Gesangstexte und den Gesangsstil, und wir spielen mit ihm herum solange bis er ok ist - auch wenn das dazuführt, daß ihn komplett neuschreiben muss.

DH: Woher kommen die Ideen für die Gesangstexte? Über welche Themen singst Du? Sind Dir die Gesangstexte wichtig?

g.: ich arbeite normalerweise mit einem Konzept oder Thema, daß mit durch den Kopf geht, wenn ich an einem Album arbeite. Ich schreibe die ganze Zeit daran, zumindest versuche ich es, aber ich mag es eher auf das ganze Produkt zu schauen, als auf individuelle Songs. Manchmal sitze ich und schreibe für den ganzen Song den Gesangstext, was mehr als eine Stunde dauern kann, manchmal wähle ich aus anderen Gesangstexten, die ich habe , und manchmal versuche ich es und versuche es und nichts scheint zu klappen. Dann gebe ich es jemand anderem, um zu singen (lachend). Ich scherze. Bezüglich der Wichtigkeit der Lyriks, nun, ich versuche Themen von einer intelligenten Perspektive anzugehen. Ich schreibe keine lustigen "Party"songs. Ich schreibe keine Liebeslieder. Ich möchte, daß die Menschen nachdenken. Zu selben Zeit jedoch, verstehe ich, daß diese Subkultur nicht immer darauf achtet zuzuhören oder unsere Gesangstexte zu interpretieren. Einige wollen einfach nur tanzen. Daher kann man meine Texte lesen und über sie nachdenken, und der Song muß nicht gefallen, und der Song als ganzes, ist für mich die wichtigste Sache.

DH: Wie wichtig ist Dir Deine künstlerische Arbeit selber? Was bedeutet Sie Dir?

Clint - Sie ist sehr wichtig. Ich denke für mich ist es so, manchmal Kunst zu machen, Musik im besonderen, ist so ein grosser Teil meines Lebens seit ich sehr jung war, sodaß mir die Vorstellung nicht gefällt ohne die Möglichkeit einen Computer zu benutzen oder ein Instrument zu spielen zu sein.

g.: Musik zu machen ist die einzige Sache in meinem Leben, die ich als gut empfinde, daher ist sie von größter Bedeutung für mich. Wenn ich keine Musik machen könnte, wüsste ich nicht, was ich tun sollte ... nichts hat die gleiche Befreiung für mich - nichts hat die gleiche Möglichkeit, meine tiefsten Ideen auszudrücken.

DH: Wie hat man sich einen Auftritt von CUT.RATE.BOX vorzustellen? Hattet Ihr schon oft die Gelegenheit live aufzutreten? Wie setzt Ihr die Musik für einen Auftritt auf der Bühne um?

Clint - Für unsere Liveauftritt remixen wir in der Regel alle unsere Songs, um unsere Liveshow einzigartig zu machen und anders als die CD. Fast alle unsere Songs enthalten zusätzlichen Teile, wenn sie live gespielt werden, neue Arrangements und Klänge, zusätzlich zu den Liveelementen, die ich selbst auf der Bühne in der Lage zu spielen bin. Es ist uns sehr wichtig, daß unsere Livekonzerte möglichst intensiv sind . Wenn es die Reisebe- schränkungen erlauben, programmieren wir alle unsere Lichter synchron zur Musik und bieten so ein großes visuelles Erlebnis zusammen mit der Musik.

DH: Was tust Du neben der Musik?

Clint - Ich bin arbeite bei Siemens Business Services als Berater in Computer Netzwerk Sicherheit. Neben meinen Musikprojekten , bin ich sehr involviert in der Verwaltungung und Überwachung meines eigenen auf Unix basiererenden Web- und E-Mail Servers.

g.: Ich entwickele Webanwendungen für Lernsoftwarefirmen - helfe Schülern allen Alters in Mathematik. Außerdem bin ich als Freelancer im Web Development tätig.

DH: Ist CUT.RATE.BOX Euer einzige Band`?

Clint - Wir haben beide verschiedene Ideen für andere Projekte, die wir gerne machen würden, aber derzeit bleibt nur wenig Zeit außerhalb von cut.rate.box und einem Vollzeitjob. Ich habe ein stärker experimentelles Projekt, daß sich SYN-NACK (www.syn- nack.org) nennt, in welchem ich mit anderen Musikern zusammenarbeite, daß ich dieses irgendwann veröffentlichen möchte.

g.: Ich arbeite die ganze Zeit an Musik, aber niemals in dem Ausmaß wie für cut.rate.box - meistens ein bißchen hier und da als Experiment. Vielleicht werde ich eines Tages etwas davon veröffentlichen - möglicherweise als ein reines Internetprojekt.

DH: Was kannst Du uns über die U.S. EBM Szene erzählen? Wie sieht sie aus und ist sie groß?

Clint - Ich denke die U.S. Szene ist schwer zu vergleichen. Auf der einen Seite scheint sie wesentlich größer und stärker in Europa als hier zu sein. Aber man muß auch die Größe der Vereinigten Staaten berücksichtigen. Die USA sind so groß, daß es tatsächlich viele Fans hier gibt, aber sie sind verteilt über einen so großen Raum, daß Clubnächte und Festivals viel weniger besucht erscheinen als im Vergleich zu Deutschland. Wie dem auch sei, ich denke der europäische Markt akzeptiert mehr die elektronische Undergroundmusik.

DH: Gibt es Pläne für die Zukunft (neue Veröffentlichungen, Sampler- beiträge, Tour, ...)

Clint - Wir haben gerade unsere Europäische Tour mit Assemblage 23 und Diary of Dreams beendet, daher kommen de Sachen gerade in Schwung. Wir haben einen Remix für Clan of Xymox gemacht, der veröffentlicht wird und auch ein cut.rate.box Promotional Video ist derzeit in Arbeit.

Unsere CD "DataSeed" ist in den USA noch nicht veröffentlicht und wir arbeiten derzeit mit einem neuen Label zusammen es hier nächsten Monat zu veröffentlichen. Danach werden wir einer US-Tour einige Zeit widmen bevor wir an der nächsten cut.rate.box CD arbeiten.

DH: Gibt es noch etwas, daß Du uns sagen willst?

Clint - Ich danke allen Europäischen Fans für all den großartigen Zuspruch und wünsche Euch eine gute Zeit. Es wird die Gelegenheit geben nach Deutschland zurückzukommen, um auf dem Wave-Gotik -Ttreffen zu spielen, daher hoffe ich, daß wir Euch bald wiedersehen! Besucht www.cutratebox.com für weitere News.

DH: Am Ende des Interviews würde ich gerne wissen, was Du am liebsten isst?

Clint - Als ein Vegetarier mag ich gerne Indisches und Griechisches Essen.

g.: Als Vegatierer mag ich sehr Indisches und Thailändisches Essen, und alles mit Soja.