Curious



DH: Stellt Euch doch bitte zunächst einmal selbst kurz vor. Seit wann gibt es "Curious" und wie ist Euer aktueller Line-Up?

Olli: Curious gibt es seit 1999, das aktuelle Line-Up ist: Moci (Bass), Marie (Keyboards), Marco (Gitarre, Djembe), Suzie (Schlagzeug) und meine Wenigkeit (Gesang).

Marco: Da Suzie demnächst für einige Zeit nach Kanada verschwindet werden wir Alexander "Nicki" vorübergehend als Schlagzeuger haben, ein alter Musikerkumpel von mir.

DH: Ihr seid ursprünglich ein "Cure-Coverprojekt" gewesen. Wie kam es zu der Idee dieses Konzept zu verwerfen und einen neuen Weg mit eigenen Songs zu gehen? War es für Euch schwierig sich umzustellen?

Marco: Wir wollten ganz klar irgendwann eigene Songs entwickeln und unseren eigenen Stil etablieren. Die alten Cure-Coverzeiten sind ja auch schon einige Zeit lang her... Ich kann mir gar nix anderes vorstellen als eigenes Material zu spielen.

Suzie: Songs zu covern macht zwar Fun, aber es ist auf Dauer halt doch etwas unbefriedigend Stücke von anderen Leuten zu spielen. Der Übergang war bei uns auch eher fließend; wir hatten schon länger diskutiert auf eigene Sachen umzusteigen, und so waren schon eine Menge Songideen gereift.

DH: Eure Musik erinnert immer noch sehr an The Cure - obwohl man deutlich einen anderen Charakter heraushört. Ich würde die Musik von "Curious" als romantisch verträumten gitarrenlastigen Wave bezeichnen. Stimmt Ihr mir da zu? Wo seht Ihr selber Dinge, die bei Euch in musikalischer Hinsicht anders sind als bei "The Cure"?

Marco: Also, ich bin im Gegensatz zum Rest der Band, gar nicht so arg von The Cure beeinflusst. Mich inspiriert seit einiger Zeit Musik aus dem fernen Indien mit atmosphärischen Klängen. Ich finde zudem Mixturen aus der Sparte World Musik sehr anregend. Curious hat einen insgesamt sehr eingängigen Sound. Viele Songs gehen schnell ins Ohr und sind ganz bestimmt von einem melancholischen Gewand übergeben.

Marie: Für mich spielt The Cure beim komponieren meiner Songs eigentlich gar keine Rolle und hat es auch bis auf eine sehr kurze Phase nie. Ich möchte hier auch noch mal ganz ausdrücklich betonen, dass nicht alle Bandmitglieder automatisch riesige Cure-Fans sein müssen, nur weil wir mal deren Songs gecovert haben. Ich mag The Cure natürlich schon ganz gerne, habe (und hatte) jedoch generell andere musikalische Vorlieben und Inspirationsquellen. Ich finde, dass viele unserer Songs den Einfluss von The Cure auch nicht unbedingt bzw. gar nicht nahe legen. Viele Leute lassen sich auch einfach durch den ähnlichen Namen und unsere Vorgeschichte dazu verleiten, unserer Musik den Stempel „Cure-like“ aufzudrücken. Natürlich ist es aber ab und zu auch ganz schön mit dieser Größe verglichen zu werden.

Moci: Der Hauptunterschied kommt wohl tatsächlich in den Gitarren zutage, die ja auch bei The Cure eine große Rolle spielen – die Riffs sind ganz anders aufgebaut, was auch mit dem Entstehen der Songs zu tun hat. Außerdem sind wir musikalisch sicher nicht so komplex und virtuos wie The Cure – na ja, wir haben ein Keyboard, ein Schlagzeug, zwei Gitarren, Bass und Gesang, können mit den Charts nicht soviel anfangen und versuchen einfach, unseren Ideen freien Lauf zu lassen und zusammen Musik zu machen... und nicht irgendwelche Stücke zu kopieren. Dennoch haben wir natürlich keine neue Musiksparte erfunden, und gerade durch unsere Coverzeit oder Ollis Stimmlage werden wir schnell mit The Cure verglichen. Die machen allerdings schon seit über 25 Jahren Musik und haben natürlich eine enorme Bandbreite an Songs, die in der Struktur, im Arrangement oder im Sound ganz unterschiedlich sind – vergleicht man z. B. „Let`s go to bed“ mit „Prayers for rain“. Vielleicht lassen sich gerade deshalb sehr schnell musikalische Parallelen mit einzelnen Bands finden...

Olli: Mit romantischen verträumten gitarrenlastigen Wave kann ich dir nur voll zu stimmen, aber die Vergleiche mit „The Cure“ nerven mittlerweile etwas. Würden wir nicht Curious heißen und als Cure Cover Projekt angefangen haben, wäre die Meinung vielleicht etwas anders. Viele sagen z.B. es gäbe deutliche Übereinstimmungen in der Stimme, dass sehe ich nicht so! Auch viele hardcore Cure Fans werden mir da sicher Recht geben. Auch in der Musik ist nichts so aufgebaut, dass man sagen kann, wir machen jetzt einen Cure-ähnlichen Song…es ehrt natürlich, mit den großen „The Cure“ musikalisch verglichen zu werden, doch sehe ich nicht so viele Parallelen im Songwriting. Hinzu kommt wohl noch, das ich wie Robert toupierte Haare, dies ist aber eher mein persönlicher Geschmack als nachgemacht.

DH: Euer Debut Album heißt "The Intimate Stranger". Wie kam es zu dem Titel des Albums?

Marco: Es war ein Name mit dem wir uns alle sofort identifizieren konnten und zur Gesamtstimmung des Albums passt. Ich bin noch immer sehr zufrieden mit diesem "Motto".

Moci: Es ist ein Paradoxon, dass sich auf viele Bereiche übertragen lässt und in unterschiedlichster Form in unseren Songs auftaucht, es stammt aus einer Passage von „The silent voice“. Vertraut und fremd zugleich... eines der Phänomene, die einem sehr oft im Leben begegnen.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album? Wo fanden die Aufnahmen statt? Gab es besondere Ereignisse oder Erlebnisse, die Euch während der Aufnahmen inspiriert haben?

Suzie: Bis auf die Drums, die im Studio aufgenommen wurden, sind alle Instrumente im „Homestudio“ bei Moci eingespielt, wodurch sich die Aufnahmen natürlich etwas hingezogen haben. Andererseits hatte man dadurch nicht den Druck in 10 Tagen fertig sein zu müssen, wie das bei knapp bemessener Studiozeit sonst wahrscheinlich der Fall gewesen wäre. So blieb genug Spielraum, die ein oder andere Stelle klanglich noch mal etwas auszubessern und so ein gut abgestimmtes Album zu produzieren.

Moci: Speziell beim Aufnehmen und Mixen habe ich mich von vielen Seiten aus inspirieren lassen und anderen Löcher in den Bauch gefragt... und zig CDs gehört, so dass meine Lauscher ja auf alles achten, was es im Klanguniversum so gibt. Besondere Ereignisse gab es dabei allerdings nicht –die ein oder andere Spur kam uns beim Aufnehmen spontan in den Sinn, vieles kam durch Ausprobieren und zufälligen Einfällen zustande. Die Produktion hat alles in allem ungefähr ein halbes Jahr gedauert.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "A Thousand Sunrises". Wovon handelt das Lied?

Olli: Bei Thousand Sunrises wollte ich unbedingt ein recht fröhliches, schnelleres Liedchen schreiben, der lt. Presse wohl sehr gut ankommt, zum Text kann eher Suzie etwas sagen.

Suzie: Es ist eigentlich ein sehr melancholisch trauriger Text, was im gewollten paradoxen Widerspruch zur musikalischen Darstellung steht. Letztendlich geht es darum, dass es das wahre Glück nicht gibt oder man es zumindest nicht festhalten kann. Symbolisch betrachtet folgt also nach jedem Sonnenaufgang zwangsläufig wieder auch der Sonnenuntergang. Wenn man sich darüber erst mal im Klaren ist, wirkt das Leben ganz schön deprimierend und von der Verzweiflung über diese Erkenntnis handelt der Song.

DH: Wer ist bei Euch für das Songwriting verantwortlich? Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt oder schreibt Ihr die Songs gemeinsam? Wie entstehen die Ideen für die Songs?

Olli: Es sieht so aus, das ich viele Songs des Albums am heimischen Keyboard vorkomponiert habe und den anderen dann bei der Probe vorgestellt habe. Jeder bringt dann sein Instrument mit ein, dabei harmonisieren wir sehr gut miteinander. Es ergeben sich dann meist sehr melodische Songs, da ich meine Keyboardspur gleich an die Gesangslinie anpasse, die mir gerade so durch den Kopf geht. Für die Songtexte sind die Damen der Band zuständig, nur Disaster stammt aus meiner Feder. Für die Songs The silent voice, Beyond the veil und Falling schrieb Marie sowohl die Keybordmelodien als auch die Lyrics.

Marie: Die Ideen entstehen bei mir oft durch den Text, der eine gewisse Grundstimmung beinhaltet, die sich dann hinterher in der Musik widerspiegeln soll. Ich lasse mich also zunächst durch irgendetwas inspirieren (Filme, Träume, Literatur, usw.) um einen Text schreiben zu können. Danach überlege ich mir dann, wie ich die Stimmung des Textes in Noten fassen kann.

DH: Das Cover Eurer CD sieht ausgesprochen ansprechend aus. Wie wichtig war Euch die Gestaltung des Covers im Hinblick auf dieses Album?

Marie: Danke, solch ein Lob hört man doch immer wieder gerne, weil es doch für die lange Arbeit, die man daran gearbeitet hat entschädigt. Ich hatte (die äußerst komplizierte) Aufgabe, mir ein Artwork für die CD auszudenken (bin aber letztendlich auch froh, dass ich das machen durfte und nicht irgendjemand, der nichts mit uns und unserer Musik zu tun hat). Das ist natürlich schwierig, da man etwas kreieren muss, was 1. zu der Stimmung der Songs und in unser Konzept passt, 2. jedem Bandmitglied gefällt und 3. auch noch ästhetisch ansprechend wirkt. Nach etlichen missglückten Versuchen habe ich dann endlich etwas gefunden, was allen Ansprüchen halbwegs gerecht werden konnte. Ich finde das CD-Artwork sehr wichtig, weil es einen ersten Eindruck von dem, was einen beim Hören erwarten wird, geben soll.

Marco: Ich finde es immer sehr ansprechend, wenn das Cover einer CD sozusagen das Aushängeschild der gesamten Produktion ist und das Musikalische Werk in seinem Ausdruck repräsentieren kann. Das ist manchmal sehr schwierig und benötigt unter Umständen viel Zeit und Können. Daher bin ich mit unserem Cover sehr zufrieden. Ich habe mich zum Glück bisher noch nicht satt gesehen.

DH: Das Album ist meiner Meinung nach von einer gewissen drückenden depressiven Atmosphäre geprägt. In welcher Umwelt lebt Ihr, die Euch dazu veranlassen solche Musik zu machen?

Olli: Wenn man jetzt denkt, wir würden allabendlich auf dem Friedhof rum hängen, weit gefehlt. Wir sind eigentlich alle recht positiv denkende Menschen, die eher gute Stimmung haben als depressive. Aber der Musikstil „melancholische Musik“ zu machen, gefällt jedem in der Band. In diesen Momenten kann man aus der normalen Alltagswelt fliehen und auch mal seine düstere Seite zeigen.

Marco: Die Stimmungen des täglichen Lebens sind so unglaublich vielfältig und eine Stimmung löst die andere permanent ab. Tatsächlich sind die meisten unserer Stücke eher ein wenig melancholisch und auch düster gestimmt. Diese Form von Stimmung hat mich schon immer beeindruckt und war auch schon immer ein Teil von mir, aber natürlich auch nur ein Teil. Im Proberaum spiele und singe ich auch gerne mal ein Stück von Bon Jovi - wenn die anderen dann zufällig vor die Tür flüchten....

Suzie: Meine Texte wirken oft eher düster, da ich bei guter Laune meist besseres zu tun habe als allein in meinem Kämmerchen Songtexte zu schreiben. Aber wenn einen mal etwas bedrückt, ist Schreiben eine sehr effektive Art bestimmte Dinge für sich selbst besser zu verarbeiten. Außerdem hat sich Olli das letzte Mal über einen „fröhlichen“ Text von mir totgelacht...und ich bin immer noch beleidigt...;-)

Moci: Jeder Mensch hat wohl zuweilen depressive oder melancholische Gefühle – damit geht nur jeder anders um. Einige beschäftigen sich damit, anderen ist es unwichtig... mir persönlich bedeutet düstere Musik und dieser dunkle Aspekt dabei viel mehr als poppige, da sie mich viel stärker berührt und mir ein bestimmtes Gefühl gibt – ein Ausdruck dessen, was mich bewegt. Das Leben ist halt nicht immer nur Friede-Freude-Eierkuchen, und oft geht das wirklich Schöne nicht ohne das wirklich Schreckliche. Das ist ja z.B. auch bei vielen guten Büchern oder Filmen so – irgendetwas passiert, was man nicht erwartet, was einem missfällt und meist sind es die unglücklichen Umstände, die jeder von uns erlebt, die die Geschichte ins tragische verzerrt. Tja, und manchmal fehlt halt auch das Happy End...

Marie: Du sprichst mir aus der Seele. Ich kann Musik, Büchern oder Filmen, die von Grund auf positiv sind und die dich beim Hören, Lesen oder Zusehen permanent mit ihrer guten Laune einlullen (so nach dem Motto: „Sunshine – good time…“ - und dazu dann noch das fette Grinsen im Gesicht) auf die Dauer nicht viel abgewinnen. Wenn in der Geschichte, die ein Buch oder ein Film erzählt, oder in der Melodie eines Liedes jedoch etwas Tragisches liegt, dann ist die Chance viel größer, dass mich das Ganze bewegt und auch länger als ein paar Stunden oder Minuten in mir Bestand hat. Oft zeigt uns doch auch erst die Erfahrung von Melancholie, was es bedeutet, glücklich zu sein. Mir geht es paradoxerweise (da ist ja unser Motto wieder!) auch oft so, dass ich das Gefühl habe, in Augenblicken der Melancholie, nie glücklicher gewesen zu sein. Melancholie (nicht zu verwechseln mit Trauer), ist ein Lebensgefühl, das durchaus auch positiv aufgefasst werden kann. In diesen Augenblicken - um es mit den Worten des beflügelten Geistes von Lester Burnham zu sagen - kann man oft nichts empfinden außer Dankbarkeit - für jeden einzelnen Moment seines dummen kleinen Lebens… So, und jetzt bitte die nächste Frage, sonst entartet das hier noch in einen philosophischen Diskurs.

DH: Wird man Curious demnächst auch wieder live erleben können? Ist eine Tour geplant? Wie wird die Musik des neuen Albums auf der Bühne umgesetzt werden? Habt Ihr da schon konkrete Pläne?

Olli: Die Songs des Albums spielen wir bereits seit 2 Jahren live, da die Labelsuche sich recht lange hingezögert hat. Wir werden live auch weiterhin unser Album spielen gepaart mit ein paar neuen Songs und vielleicht einen Cover Song (z.B. OMD, Maid of Orleans). Als nächstes spielen wir auf dem Umsonst und draußen Festival in Vlotho am 27.08, weitere Gigs sind über unsere neue Booking Agentur in Planung, z.B. Lüneburg, Gütersloh, Paderborn usw. Genaue Termine findet ihr immer aktualisiert auf unserer Homepage www.curious-band.de unter News oder Gigs! Nur so viel: Man wird uns ab 2005 sehr häufig live erleben können!!!

DH: Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Curious nach der Veröffentlichung Eurer CD? Arbeitet Ihr eventuell schon an neuen Songs für ein weiteres Album?

Olli: Wie gesagt, spielen wir unser Set seit 2 Jahren rauf und runter, arbeiten von daher bereits an neuen Songs zunächst für Live Gigs. Ein weiteres Album von Curious wird es mit Sicherheit geben…

Marco: Und neue Songs entstehen gerade zu Hauf! Bisher eine gute Mischung zwischen aggressiveren, teils progressiveren und wiederum sehr eingängigen Stücken.

DH: Was machen die Mitglieder von Curious, wenn sie mal keine Musik machen? Gibt es für Euch abseits der Musik auch noch ein "normales Leben"?

Olli: Kaufmann und Lebenskünstler

Marie: Ich studiere Germanistik und Pädagogik um mich später mal als Dozentin oder vielleicht auch als Lehrerin mit wissbegiereigen Menschen oder ungezogenen kleinen Rotznasen ;-) zu befassen.

Suzie: Moci und ich promovieren gerade als Neurobiologinnen.

Moci: Ehrlich!

Marco: Erlebnismusiker und Erlebnispädagoge

Patrick: Allroundtalent

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Curious. Euch gehört das Schlußwort:

Olli: Wir bedanken uns für das interview und wünschen euch alles Gute!!!!

Info: www.curious-band.de

Interview: Andreas Ohle