The Count




DH: Stellt Euch bitte zunächst einmal selber kurz vor. Woher kommt ihr und wer macht was bei Euch? Seit wann gibt es The Count; eigentlich und wie ist der Name entstanden?

Martin, Oliver und Jens haben schon vor The Count gemeinsam Musik gemacht, die man als eine etwas abgefahrene Mischung aus Wave und Punk beschreiben kann. Manuel war vorher Bassist in einer Gothic-Metal Band. Nach dem Ende der Bands haben wir 1999 gemeinsam The Count gegründet. Es war für uns alle also der richtige Zeitpunkt etwas Neues zu starten. Unser Name ist uns im alkoholisierten Zustand auf einer Party eingefallen. Wir haben in einem amerikanischen Gothic-Fanzine eine lustige Geschichte über Graf Zahl; aus der Sesamstraße gelesen und bemerkt, dass er der erste Gruftie ist, mit dem man in seinem Leben konfrontiert wird. Die Doppeldeutigkeit des Namens und das neue Album lassen jedoch auch andere Interpretationen für den Namen zu.

DH: Wie ist Euer aktuelles Line-Up? Wie fühlt ihr Euch als Band eigentlich? gibt es eine Art Gruppengefühl, die Euch immer wieder zu neuer Kreativität inspiriert?

Oliver ist unser Sänger, Jens schraubt an den Synths, Martin spielt Gitarre und Manuel Bass. Das ist aber eigentlich nur unser Live Line-up. Wenn wir in unserem Studio an neuen Liedern arbeiten, macht eigentlich jeder alles. Deshalb ist es auch nicht so schlimm, wenn mal einer einen kreativen Durchhänger hat, die Anderen arbeiten in der Zeit weiter und durch die Ergebnisse kann man sich dann wieder inspirieren lassen. Manchmal ist es auch besser, wenn man eine zeitlang nur mit zwei Leuten an einer Idee arbeitet.

DH: Eure Musik würde ich beschreiben als eine Mischung aus Gothic, Dark Wave und EBM. Stimmt Ihr mir da zu? Wie kommt es, dass Ihr genau diese Art von Musik macht. Habt Ihr in der Jugend bestimmte musikalische Vorlieben in dieser Richtung gehabt?

Alle diese und auch weitere Elemente finden sich in unserer Musik wieder. Natürlich liegen auch unsere Vorlieben in diesen Richtungen. Das hat uns beeinflusst und wenn wir heute komplett andere Musik machen würden, würde wohl irgendetwas nicht stimmen. Da aber jeder sehr unterschiedliche Wurzeln hat und diese bei The Count einbringt, ist unser Ergebnis vielleicht doch etwas Neues und mit Sicherheit auch der Grund für unseren Abwechslungsreichtum, zu dem manche Kritiker sagen, wir müssten noch unseren Stil finden. Naja, wir sind eigentlich der Meinung, dass genau dies unser Stil ist.

DH: Bei The Count fällt vor allem die unglaubliche musikalische Entwicklung auf, die ihr seit dem ersten Album ;Music for the slaved New world; hattet. Was hat sich seitdem für Euch alles verändert? Geht Ihr heutzutage anders an einen Song heran an früher?

In der Anfangsphase mussten wir erst einmal unseren gemeinsamen Stil finden. Als wir an der Music for the slaved new world arbeiteten, waren viele Dinge noch neu für uns. Es war z.B. das erste Projekt, bei dem wir mit elektronischem Schlagzeug gearbeitet haben. Heute ist diese Arbeitsweise für uns selbstverständlich. Mit dem Aufbau unseres Projektstudios haben sich unsere technischen Möglichkeiten noch einmal erweitert. Wir können heute viel zielstrebiger und effektiver unsere Ideen umsetzen.

DH: Euer neues Album hat den Titel Zero. Erzählt uns etwas zu der CD. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden Sie statt. Wie habt Ihr den Kontakt zu Eurem heutigen Label Dark Wings gefunden?

Die Produktion hat ziemlich lange gedauert, so in etwa zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit haben wir aber auch mit dem Aufbau unseres Studios begonnen. Zwischendurch spielten wir immer wieder Konzerte und im letzen Jahr hat sich dann alles noch durch die Verhandlungen mit dem Label verzögert. Den Kontakt zu Dark-Wings haben wir ganz klassisch über eine Bewerbung per Post hergestellt. Nach einem Treffen in Berlin war für beide Seiten klar, dass man in Zukunft zusammenarbeiten wird. Auf Zero erzählt jedes Lied seine eigene kleine Geschichte. Es gibt also keine feste Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch die Musik zieht. Um dem Album einen thematischen Rahmen zu geben, kann man sagen, wir verbinden das Ende mit dem Anfang und schließen somit den Kreis des Lebens.

DH: Gibt es bestimmte Songs auf dem Album, die Euch ganz besonders am Herzen liegen? Wenn ja, welche?

Das ist wohl bei Jedem anders und auch abhängig von der Situation. Beispielsweise freut sich Jens, wenn in der Disco auf Lost getanzt wird, in das er viel Energie gesteckt hat, oder Oliver, wenn er bei einem Konzert bei Silence seine Wut rauslassen kann.

DH: a) Wovon handeln die Songs Eures Album im allgemeinen?

Die Lieder beschreiben die Höhen und Tiefen, die ein Mensch während des Lebens durchmachen kann. Die totale Empfindungslosigkeit und die grenzenlose Sehnsucht eines völlig abgestumpften Menschen; das Bildnis unerträglicher Unruhe, das Bedürfnis nach Einsamkeit und dem Ende seiner selbst; was es heißt, nicht zu existieren und nicht zu leben, aber auch wie es ist, nichts zu verlieren und sich zu befreien. Als physisch Lebender und Toter.

DH: b) Wie entstehen generell die Songs bei Euch? Wer hat die Ideen. Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt oder schreibt Ihr die Songs als Gruppe zusammen? (siehe 2.)

Beim komponieren arbeiten wir meistens als Team. Auf diese Weise ergänzen wir uns ganz gut. Jeder bringt seine Songideen ein, die bei jedem wiederum aus ganz unterschiedlichen Inspirationen entstanden sind.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song Lost. Wovon handelt dieses Lied? Wie kam es zu der Idee eines Duetts mit Nicole Hippert, die auch bei dem Song Lichtertanz; mitsingt und - wie ich finde - eine wunderbare stimmliche Bereicherung ist? Sind in Zukunft weitere Songs mit weiblichen Sängerinnen geplant?

Bei Lost wird ein Mensch beschrieben, der seinem Leben einen neuen Anfang setzt. Was für sein altes Leben wie ein starker Verlust aussieht, bedeutet für sein neues Leben einen reinen Gewinn. Die Einzelheiten im Text sollte jedoch jeder für sich selber interpretieren. Die Idee weiblichen Gesang mit einzubauen kommt beim komponieren. Es gibt Lieder, die verlangen einfach nach einer weiblichen Stimme. Auf diese Weise kann man einen Gegenpol zu Olivers Stimme erzeugen. Ob auch in Zukunft weiblicher Gesang eingebaut wird, kann man nicht wirklich vorraussehen. Das hängt davon ab, ob es passt oder nicht.

DH: Beim Anhören des neuen Albums fällt auf, dass manche Songs zweisprachig (deutsch / englisch) sind. Welche Gründe gab es dafür? Gibt es bestimmte Dinge, die man besser in Deutsch als in Englisch singen kann?

Ja, das hängt immer davon ab welche Stimmung ein Lied ausdrücken soll. Außerdem kann man manche Dinge in seiner Muttersprache einfach differenzierter ausdrücken. Die Entscheidung fällt meistens auch erst im Laufe der Entstehung eines Liedes. Es kam sogar schon vor, dass wir die Sprache ganz zum Schluss noch mal geändert haben. Bei Tolerance war dies z.B. der Fall.

DH: Wird es The Count bald wieder live zu sehen geben? Welche Erfahrungen habt Ihr von euren letzten Konzerten u.a. WGT 2004 mitgenommen? War dies ein besonderes Erlebnis für Euch?

Wir planen zurzeit intensiv Konzerte, Termine stehen noch nicht fest, die gibt es dann aber sobald sie feststehen auf unserer Homepage (www.thecount.de). In der letzten Zeit haben wir bis auf einige Festivals nur wenige Konzerte gespielt. Das soll sich aber in Zukunft ändern. Unser Konzert auf dem WGT fand in der Moritzbastei statt. Das Besondere war die sehr gute Stimmung im Publikum und die für uns überwältigende Resonanz! Es ist schon was Besonderes auf einem so großen Ereignis zu spielen. Wir hatten ein wunderschönes Wochenende in Leipzig.

DH: Gibt es schon konkrete Pläne für ein weiteres Album? Sind bereits neue Songs von Euch in Arbeit?

Zurzeit bereiten wir unsere Live-Show vor, das kostet uns natürlich auch viel Zeit. Wir schreiben allerdings auch schon Lieder für die nächste CD und haben uns fest vorgenommen, dass diese nicht so lange brauchen wird wie Zero.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlusswort.

Vielen Dank für das Interview und jeder der bis hierhin gelesen hat, darf jetzt zur Belohnung auch noch eine CD von uns kaufen gehen

Interview: Andreas Ohle