Compulsory Skin




DH: Hallo Valeska oder sollte ich lieber Lady PiaPale zu Dir sagen? Wie möchtest Du angesprochen werden?

Pia oder Valeska ist völlig in Ordnung..

DH: Stell Dich zunächst einmal selbst kurz vor. Seit wann bist Du musikalisch aktiv? Warst Du vor Compulsory Skin schon in anderen Bands musikalisch aktiv, wenn ja in welchen?

Es klingt fürchterlich ausgelutscht,zu sagen,Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben,aber in diesem Falle passt es sehr,denn seit ich denken kann,beschäftige ich mich und mache ich Musik und hab jedes mir interessante Projekt mitgenommen,was ich konnte..das bekannteste davon ist wohl meine Ex-PunkBand Primitive 21..

DH: Wie kam es zur Gründung von Compulsory Skin? Wie entstand der Name und was möchtest Du damit ausdrücken?

Es gab keine spezielle Gründung,keine speziellen Tag,an dem ich mir sagte,jetzt gründe ich CoS,es ist mehr über die Zeit enstanden,ich habe mich neben den Bands immer mit Musikproduktion beschäftigt,ich liebe jegliches analoges Equipement und irgendwann fing ich entsprechend an,Songs auf meinem damals noch Atari zu schreiben..mittlerweile haben das Equipement,die Songs und meine Leidenschaft dazu Ausmasse angenommen,die es mir unmöglich machen,einen anderen Weg zu gehen als den,den CoS mir vorschreibt..deshalb auch der Name :"Zwangshaut"- was für mich allerdings sowohl negative als auch positive Konsequenzen nach sich zieht,was ich ebenso in dem Namen ausdrücken wollte,eine Haut,in der man sich wohlfühlt,aus welcher man aber auch nicht entfliehen kann..



DH: Du schreibt selbst "Compulsory Skin" sei eine Art Zwangshaut. Es ist also etwas sehr persönliches, was Dich mit diesem Projekt verbindet. Inwieweit zeigt Compulsory Skin den Menschen Valeska. Wieviel Fiktion ist in Deinen Texten / wie viel tatsächlich erlebtes? Ist diese Gradwanderung manchmal ein Problem für Dich?

Anfänglich habe ich mir für CoS eine einzige Prämisse gesetzt,einen Rahmen : CoS sollte immer absolut authentisch sein,mich 1:1 spiegeln,kompromisslos,egal,welche Art von Musik dabei herauskommt.Dasselbe gilt natürlich auch für die Texte,es gibt dort Dinge,die mir so schwer fallen würden,sie zu sagen,aber in den Songs kann ich mir oft am nähesten und so am ehrlichsten sein..das bringt natürlich eine grosse Verwundbarkeit mit sich,wenn man so schonungslos alle Wunden darlegt und kann gerade auf Konzerten eine emotional sehr schliddrige Angelegenheit werden..

DH: Mit "Regulation" veröffentlichst Du gleich drei CDs als Querschnitt aus Deinem bisherigen Schaffen: Regulation Red, Regulation Black und Regulation White. Wodurch unterscheiden sich die drei CDs?

Im Wesentlichen unterscheiden sie sich durch ihre jeweilige Grundstimmung.Die Black ist recht aggressiv,laut und manchmal "emotional eine schliddrige Angelegenheit",die White hingegen ist,wie ihr Name schon sagt,heller,freundlicher,hier und da sogar zum beschwingt mitwippen,während die Red eine regelrechte CHillOutPlatte ist,die auch viel von seelischer Befreiung oder Erleichterung handelt und dementsprechend hier und da auch einigermassen schwelgerisch ausfällt..

DH: Welche Kriterien gab es für Dich für die Auswahl der Songs? Gab es bestimmte Songs, die unbedingt veröffentlicht werden mussten, wenn ja warum?

"TWIM",also "TheWorldInMe" und "stained" sind für mich Songs,in denen sich selbst mein Perfektionismus wohlfühlt,weshalb ich sie natürlich unbedingt teilen wollte..aber auch alle anderen sind mir unheimlich wichtig - viele davon sind sogar schon einige Jahre alt und mussten einfach endlich veröffentlicht werden,auch damit ich mich endlich komplett von ihnen lösen kann und neues,unbelastetes beginnen kann..

DH: Wie funktioniert bei Dir der Prozeß des kreativen Songschreibens? Wodurch wirst Du zu einem Song inspiriert? Sind es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die dazu führen, dass Du musikalisch aktiv wirst oder ist das einfach in Dir drin? Ist Musik für Dich eine Art Lebensgefühl?



Normalerweise setze ich mich einfach dran,probiere hier und ein wenig was aus und plötzlich gefällt mir was,womit ich weiterarbeiten kann,es gibt aber auch alle anderen Varianten,dass schon eine Melodie,ein Riff oder ein Text,manchmal schon der ganze Song im Kopf steht.Es gibt auch 2 Songs,die ich direkt an und für 2 Freunde geschrieben habe..Tja,und Lebensgefühl?Ach,es gibt so Wörter,die mag ich ja in musikalischen Zusammenhängen gar nicht..Ich weiss nur,ich fühle mich nach ca.3 Tagen sogar körperlich schlecht,wenn man mir die Möglichkeit,Musik zu machen,entzieht,aber ob das was mit Lebengefühl zu tun hat..Ist Luft für mich ein Lebensgefühl..?

DH: Inwieweit hat die Erfahrung als Sängerin und Musikerin bei anderen Bands bei der Umsetzung Deiner eigenen Musik mit Compulsory Skin geholfen? Gibt es Leute, die Dich bei den Aufnahmen unterstützt haben?

Hmm.Leider haben mir die Erfahrungen mit anderen Projekten und Bands glaube ich eher gezeigt,wie man es nicht machen sollte..!Aber ich hatte für 5 Songs die tolle Hilfe von "Pzychobitch",der Stefan hat mich in sein Studio geladen,um wenigsten ein paar Songs den nötigen Sound zu verpassen,ich selber arbeite ja immernoch mit recht bescheidenen Mitteln..Ansonsten ist alles selbst eingespielt und produziert..

DH: Besonders gut hat mir der Song "Expelled" von der "Regulation Black" gefallen. Wovon handelt das Lied? Wie enstand die Idee zu diesem Song?

Oh,bei diesem Song war es eine der Varianten,ich hatte zuerst das Musikvideo vor Augen,sprich also Bildfolgen und die habe ich dann textlich festgehalten,wobei auch schon die ersten Klänge sich im Kopf dazubildeten..Als mir klar wurde,dass es sich um eine Art gefallenen Engel handelt,der auf dem Weg zu seinem Geliebten ist,den er aber unweigerlich mit seiner dämonischen Liebe zerstören wird,kam die schwerfällige Gitarre dazu..So ist es meist,dass ich nicht weiss,wo ein Song mich hinführen wird,das ist aber auch mitunter das spannende am Musikmachen..



DH: Deine Musik bewegt sich zwischen Rock, Gothic, SynthiePop, TripHop und Industrial - aber entgegen konventionellen Trends ist sie - wie ich finde - sehr experimentierfreudig. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist dies sicher eine Ausnahme und macht "Regulation" zu einem Album "Not for the Masses". Wie wichtig ist es Dir mit Deiner Musik erfolgreich zu sein? Wie wichtig ist Dir die Anerkennung Deiner Musik als Kunst?

Sie war auch nie "for the masses" gedacht!Es geht mir nicht darum,fürchterlich bekannt zu werden und fürchterlich viel Geld zu verdienen.Natürlich muss auch ich zusehen,wie die Miete reinkommt,aber ich könnte nie nur des Geldes wegen Musik machen,die mir nicht gefällt und meinen Idealen nicht gerecht wird.Dementsprechend ist es mir äusserst wichtig,den künstlerischen Aspekt meiner Musik immer wieder zu betonen,schliesslich mache ich das nicht,um Leute zu unterhalten,sondern um mit ihnen über die Musik zu kommunizieren,sich auszutauschen,anzuregen..

DH: Tretest Du auch live auf? Sind in nächster Zeit Konzerte mit Compulsory Skin geplant - eventuell eine Tour? Welche weiteren Pläne hast Du nach Veröffentlichung des Albums?

Ja,sicher sind Auftritte geplant,einer davon sogar bald in Berlin,schliesslich machen die ja echte Interaktion zwischen Künstler und Publikum erst möglich!Ich denke,eine Tour wird kommen,nur wann und wie hängt noch davon ab,für welches Label ich mich entscheide..Von den Livevorbereitungen abgesehen arbeite ich grad an der Ferigstellung des 4. Albums,welches,unter uns gesagt,besser wird als die Regulation-Trilogie,hach,bin jetzt schon in ein paar Songs davon verliebt..!*grins* und demnächst werde ich einige Songs zu einem Soundtrack für einen US-Filmemacher besteuern,dessen Werk "Kalieko" dann auf dem SunDanceFilmFestival,USA,im Januar 2006 Premiere feiert.

DH: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Musik werden wir von Compulsory Skin in etwa 10 Jahren zu hören bekommen? In welche Richtung wird CoS gehen? Gibt es außerdem etwas im Musik- / Kunstbereich, dass Du gerne in naher Zukunft musikalisch umsetzen möchtest? Würdest Du gerne mit bestimmten anderen Künstlern / Musikern einmal zusammenarbeiten? Gibt es da konkrete Namen?

Halleluja!Ich bin froh,wenn mir bis dahin nicht ein Mikrokabel um den Hals gefallen ist,aber mit Sicherheit wird es Musik sein,die mir dann auch selbst gefällt,aber frag mich nicht,was mich in 10 Jahren inspirieren wird!Demnächst bekomme ich ein wunderbares Akkordeon von meinem Grossvater,vielleicht mache ich damit ja ein kleines ChansonAlbum zwischendurch..*zwinker* Oh ,es gibt viele Musiker,naja,soviele auch nicht,wo mich eine Zusammenarbeit interessieren würde,aber ich bin mir nicht sicher,ob ich so "Zusammenarbeitskompatibel" bin..Allerdings,wenn's nach mir ginge,würde ich in den nächsten 10 Jahren alles mögliche an künstlerische Dingen tun,würde mich gern weiter in die Kurzfilmecke vertiefen,selber drehen und auch schreiben finde ich höchst interessant und malen tue ich ja eh nebenbei,wenn mir vom Mixen schon die Ohren bluten..Hm,aber mal ernsthaft,ich glaube im NIN'schen Studio würde ich mich seehhrr wohlfühlen..so viele tolle Geräte,hmm*schwärm*,wie ich schon sagte,ich bin wohl ein kleiner Analog-Fetischist..!!

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg mit Compulsory Skin. Dein Schlusswort:

Ich habe zu danken für recht kreative Fragen..!! ;-)

Interview: Andreas Ohle