C-O-Box




DH: Wie lange gibt es Euch eigentlich schon und Wie kam es zur Gründung von Columbia Obstruction Box?

2001 entwickelte sich ein musikalisches Projekt im Café Kick. Daraus ergab sich das Angebot eine kleine Tour in England zu spielen. Das Angebot haben wir wahrgenommen und seit dieser Zeit gibt es die Idee und die Verwirklichung der c-o-box.

DH: Was hat der Bandname generell für eine Bedeutung und welche Bedeutung verbindet ihr damit persönlich für Euch?

Die columbia obstruction box ist ein Versuchsaufbau aus der Experimentellen Psychologie: In der "box" wurden hungrige Ratten dazu gebracht, die schwierigsten Hindernisse zu überwinden, um an Futter zu kommen. Dabei war es erstaunlich, wie ausdauernd die Ratten ihr Ziel verfolgten. Als Musiker ist es genau so: erst musst Du eine Menge hungern, wenn Du aber endlich auf der Bühne stehst und Deine Songs spielst, ist alles wie weggeblasen.

DH: Wer macht musikalisch eigentlich was bei Euch?

Friede – vocals
Pie – keys
Jinx – drums
Mirché – bass
Diaz - guitars

DH: Eure Musik würde ich als eine Mischung aus Gothic, Dark und Progressive Rock bezeichnen. Wie würdet selbst Eure Musik beschreiben? Welche musikalischen Wurzeln habt ihr, die Euch gerade dazu veranlasst haben, diese Art von Musik zu machen?

Wir sind sehr offen gegenüber jeglichen Musikstilen. Unser bandinterne gemeinsame Nenner ist aber definitiv düsterer Rock, mal heftig, mal schön, mal schmerzhaft. Warum wir das so machen, hängt wohl mit unserer optimistischen Lebenseinstellung zusammen. Aber wer weiss, was wir in 10 Jahren für Musik auf irgendwelche Medien bannen werden.....

DH: Euer Album heisst "A Single Rat`s Record". Erzählt uns etwas zu dem Album. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu dem Album und wo fanden sie statt?

„A single rat`s record of ....“ ist ein kleiner Auszug aus Versuchsabbildungen zu der columbia obstruction box. Bei dieser Skizze sieht man 5 verschiedene Laufwege von Versuchsratten. Wenn das mal nicht passt, vor allem wenn man die Hälfte von dem Satz weglässt ;-) Die Aufnahmen sind nicht an einem Stück entstanden. Es waren zum Teil grosse Pausen dazwischen. Das war anfangs nicht geplant, hat aber im nach hinein uns ein sehr entspanntes Arbeiten ermöglicht. Das Studio befindet sich am Rhein, wo früher die Raubritter ihr Unwesen getrieben haben und passte somit perfekt zu unserer Stimmung.

DH: In Eurem Bandinfo ist zu lesen, dass es zu C-O-Box eine Kernthese gibt, die folgendes besagt: "Je länger ein Lebewesen depriviert ist, desto aktiver wird es, um den Trieb zu befriedigen." Was verbirgt sich hinter dieser Aussage und inwieweit setzt ihr diese Idee musikalisch um?

"Deprivation" heißt nichts anderes als "Entzug". Die Triebtheorie sagt aus, das Lebewesen nur deshalb überleben, weil sie ihre Bedürfnisse aktiv befriedigen - auch, wenn es schmerzhafte und unbequeme Hindernisse gibt. Lass die Ratte in der "box" nur lange genug hungern, dann überwindet sie auch ein elektrisch geladenes Gitter, um an Futter zu kommen. Dieser Gedanke hat uns fasziniert, weil er so einfach ist: Wir brauchen die Musik eben genauso dringend wie Nahrung oder Sex - wir können zwar eine Weile Ohne, aber irgendwann machen wir uns doch auf, das Gitter zu überqueren. Egal, welche Stromstärke gerade eingestellt ist...

DH: Besonders gut hat mit sehr Song "Alone" gefallen. Wovon handelt das Lied?

Es geht um die Frage, ob man lieber tot als unglücklich sein möchte. Der Tod hat den Vorteil, das er Unglück beendet. Was nach dem Tod passiert, steht in einem anderen Song. Man wählt den Freitod oder sucht sich jemanden, der diese Arbeit für einen erledigt. Im Unglück kann man entweder selbst versinken oder es dazu benutzen andere daran teilhaben zu lassen. Diese Nettigkeit führt dazu, dass man einen Teil Kontrolle übernimmt, über das Ünglück des anderen. Am Ende bleibt man allein. Der Autor will nicht alleine sein, weder tot noch unglücklich. Ist das möglich?

DH: Wie entsteht generell ein Song bei Euch? Wovon lasst Ihr euch inspirieren? Gibt es besondere Ereignisse oder Erlebnisse, die in diesem Album verarbeitet worden sind?

Das ist so eine Sache. Wir machen Musik aus dem Bauch heraus und sie spiegelt oft den Moment und die Zeit wieder, in der der jeweilige Song entsteht. Man könnte es musikalisches Tagebuch nennen, wobei jeder von uns seinen Teil dazugibt. Geht es den einem von uns bspw. schlecht und einen anderen erstaunlich gut, kann es durchaus zu speziellen Mischungen kommen. Das geht hin bis zu unseren Texten. Das Album ist so gesehen gespickt von unseren Erlebnissen, Gefühlen und Geschichten.

DH: Auf dem Album findet sich eine große Bandbreite an musikalischen Rockstilen. Dadurch hört sich das Album sehr abwechslungsreich an. Habt ihr bei der Songauswahl zu dem Album bewusst darauf geachtet?

Ja und Nein. Aufgrund unserer Vorgehensweise beim Schreiben der Songs ist es hin und wieder zu sehr extremen Stilwechseln gekommen. Einige Titel haben es deshalb gar nicht erst auf diesen Silberling geschafft. Hätten wir alle Songs am besten in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung gelassen, hätte das außer uns wahrscheinlich keiner verstanden. Daher haben wir schon versucht ein in sich schlüssiges Album zu schaffen, das abwechslungsreich bleibt, aber auch nicht allzu sehr verwirrt. Uns war ein gewisser roter Faden schon wichtig.

DH: Ist zum Release des Albums eine Tour in Planung? Wo kann man Euch in naher Zukunft live einmal erleben?

Ja, wir planen eine tour zum ende des Jahres. Eigentlich hätte diese schon im Frühjahr stattfinden sollen, hat aber nicht so ganz geklappt, wie wir das wollten. Bis dahin werden div. Gigs hier und da stattfinden, abrufbar über unsere homepage www.c-o-box.com

DH: Findet Ihr es generell besser live zu spielen als im Studio an neuen Songs zu arbeiten oder hat beides seine Vor- und Nachteile?

Live spielen ist immer ein besonderes Erlebnis, auch wenn wir schon zahlreiche Auftritte hinter uns haben. Ich denke, man sieht und hört uns einfach an, dass wir Spaß an unseren Songs haben. Bei den Auftritten erhälst Du immer direktes feedback vom Publikum, kannst experimentieren und sehen, was ankommt. Diese Erfahrungen setzen wir dann im Studio konzentriert und mit mehr Ruhe um. Die Live-Gigs und unsere Studioarbeit ergänzen sich also immer - das Ergebnis kann man auf der Platte hören.

DH: Was macht Ihr, wenn ihr mal keine Musik macht? Die Instrumente stimmen. Nein, Spass beiseite. Wir müssen uns noch mit ‚normalen’ jobs die Brötchen verdienen. Das ist traurig, aber leider Realität.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das Schlußwort:

„Wir sind keine Feinde, sondern Freunde, wir dürfen keine Feinde sein. Leidenschaft mag die Bande unserer Zuneigung anspannen, aber zerreißen darf sie sie nicht. Die mystischen Töne der Erinnerung werden ertönen, wenn die besseren Engel unserer Natur sie wieder berühren.“ (Quelle: American History X)

Interview: Andreas Ohle