Cell Division


DH: Seit wann gibt es Cell Division eigentlich? Wie kam es zur Gründung der Band und wer macht aktuell was bei Euch?

Uns gibt’s seit 1995. Herr Hasch, Mirjam und unsere frühere Sängerin Yvette haben schon vorher zusammen Musik gemacht, damals hiessen wir noch „Tracker Dogs“. Als dann Dani zu uns kam, änderten wir den Bandnamen in „Cell Divsion“ um einen künstlerischen Neubeginn zu symbolisieren. Gelgia ist bei uns die Frontfrau und bezaubert mit ihrer Stimme das Publikum. Mirjam quält die Gitarren-Saiten und trällert die Backing Vocals, Dani bearbeitet das Drum und den Sequenzer und unser Herr Hasch zupft den Bass.

DH: Wenn ich Eure Musik beschreiben würde, würde ich sagen,dass sie stark an amerikanischen Gothicrock erinnert. Stimmt Ihr mir da zu? Welche musikalischen Einflüsse habt Ihr, die dazu geführt haben, dass Ihr heutzutage genau diese Musik macht?

Wenn unsere Musik an amerikanischen Gothicrock erinnert, ist das nicht willentlich so beabsichtigt. Die einzige amerikanische Gothic-Band die mich (Mirjam) sicherlich beeinflusst hat, ist „Christian Death“. Wir wurden alle durch ganz unterschiedliche Musik geprägt. Teenie-Gelgia hörte am liebsten Metal, heute sind ihre Favoriten: Ragga & The Jackmagic Orchestra, DAAU, Zeromancer, Mila Mar, Gitane Demone, The Gathering, und Anathema. Dani kommt musikalisch aus der Punkszene und spielte in einer Punkband namens M.F.A. Zur Zeit hört er gerne Massive Attack, Unkle, New Model Army und Neurosis. Herr Hasch kommt vom Jazz und ist nach wie vor mit dem Miles Davis Virus infiziert. Ich (Mirjam) bin seit Kindsbeinen den gothischen Klängen verfallen und aufgewachsen mit Bauhaus, Virgin Prunes, Cure, Christian Death, Killing Joke etc.. Momentan liest mein CD-Player oft die Scheiben von Placebo, Faith and the Muse, Sneaker Pimps und Sentenced.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Eurer CD "Tsunami"und wo fanden Sie statt?

„Tsunami“ wurde in zwei mehrwöchigen Sessions im Thommy Hein Studio in Berlin, aufgenommen. Im gleichen Studio wurde die CD dann auch gemischt und gemastert.

DH: Im Vergleich zu früheren Aufnahmen wirkt der Sound des neuen Albums druckvoller und klarer.Gab es Veränderungen bei der Art und Weise des Recordings?

„Dissolve“ war eine Eigenproduktion, die wir in unserem kleinen Studio aufgenommen hatten. „Tsunami“ ist in einem professionellen Studio, in Zusammenarbeit mit einem versierten Produzenten entstanden. Wäre da kein deutlicher Unterschied hörbar, wäre unsere Kohle falsch investiert.

DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sven Friedrich (Zeraphine)?In wieweit hat dieser an der Produktion des Albums mitgewirkt?

Sven arbeitet als Assistent in den Thommy Hein Tonstudios und da ihm unsere Musik gefällt, war er gerne bereit an dem Album mitzuwirken. Zusammen mit Dani hat er alle Keyboards arrangiert und programmiert und ein Duett mit Gelgia eingesungen (Peculiar).

DH: Wovon handelt das neue Album? Warum habt Ihr für das Album den Titel "Tsunami" gewählt?

„Tsunami“ ist kein Konzept-Album. Die Songs beinhalten verschiedene Themen, die Gelgia oder mich (Mirjam) als Textautoren, zur Zeit als das Lied entstand, grad beschäftigt haben. Meistens geht es darum negative Erlebnisse zu überwinden und in positive Energie umzuwandeln, aus der man wiederum Kreativität und Kraft schöpfen kann. Den Titel „Tsunami“ haben wir gewählt, zum einen, weil wir fanden, dass er einfach gut klingt und zum anderen ist es ein gutes Sinnbild. Wir hoffen, dass das Album beim Publikum ankommt und eine „grosse Welle“ schlagen wird.

DH: Habt Ihr Euch generell bei den Aufnahmen zu dem Album von bestimmten Ereignissen oder Erlebnissen beeinflussen lassen?

Alle Texte unserer Songs sind Auseinandersetzungen und Verarbeitungen von Erlebnissen. Meistens schwingt auch eine psychologische oder philosophische Komponente mit. Da die Musik bei uns im Bauch entsteht, entwickeln sich unsere Songs auch immer stimmungsabhängig. Ich könnte dir aber keine Ereignisse aufzählen, die grad zum einen oder anderen Lied geführt haben. Es ist eher so, dass bestimmte Gefühle in uns gären, bis im Idealfall, die richtigen Emotionen im Bauch aufkommen, die man zum Schreiben eines neuen Songs braucht. Das ist fast wie Kinderkriegen….

DH: Gelgia - du bist nun die neue Sängerin bei Cell Division.Waren die Aufnahmen zu dem neuen Album "Tsunami" fürDich ganz persönlich eine besondere Herausforderung?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, denn ich wollte mit meiner Stimme spielen und sie genau der Stimmung des Songs anpassen, damit der Zuhörer glaubt und versteht was er hört. Die grösste persönliche Herausforderung war, mir als Kontrollfreak stimmlich keine Grenzen zu setzen, das heisst mal böse, mal kindlich, mal unschuldig, mal traurig, mal frech usw. zu singen. Das fängt natürlich bereits bei der Gesangstechnik an und geht soweit, dass man bei der Aufnahme im Studio alle seine Hüllen (symbolisch verstanden!) fallen lassen muss und durch diese Art von Seelenstriptease jeden Song zu einem einmaligen Hörerlebnis machen kann.

DH: Ihr kommt aus der Schweiz. Wie sieht es dort in der Musikszene aus?Gibt es viele Gothicbands oder eher weniger? Gibt es für Euch Möglichkeiten dort live zu spielen oder richtet Ihr den Fokus Eurer Aktivitäten lieber international aus?

Die (Gothic)-Szene in der Schweiz ist beachtlich. Wenn man Lust auf eine Party oder Konzert in dieser Richtung hat, muss man sich oft sogar zwischen verschiedenen Events entscheiden. Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders, da war man froh, wenn einmal im Monat in der näheren Umgebung was los war. Gute Bands gibt’s auch sehr viele, leider sind nur die wenigsten davon auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Einige von Euch kennen vielleicht: „The Young Gods“, F.A.Q (ehem. Carpe Diem), Elis, Metalspürhunde, nuuk, Der Eremit oder Jesus and the Gurus. Für uns ist es inzwischen relativ einfach zu Konzerten innerhalb der Schweiz zu kommen. Da die Schweiz klein ist und wir in vielen Locations schon aufgetreten sind, freuen wir uns auf jedes Konzert im Ausland. Man hat uns dort noch nicht so oft live gesehen und es ist spannend, wenn wir uns einem neuen Publikum vorstellen können.

DH: Wird es zum neuen Album eine Tour geben und kommen Cell Divison auch nach Deutschland? Welche weiteren Pläne habt Ihr mit Cell Division nach dem Release des neuen Albums?

Eine kleine Europa-Tournee ist für den Herbst geplant und Deutschland steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Wir freuen uns schon sehr darauf! Nebst den Konzerten sind wir daran neue Songs für das nächste Album zu schreiben.

DH: Zum Schluß die Frage: Was machen Cell Division, wenn sie mal keine Musik machen?

Mirjam: viel Unfug

Gelgia: Produzenten quälen

Dani: snowboarden und surfen

Heinz: meinen Garten pflegen und schwimmen.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg für die neue CD. Euch gehört das Schlusswort:

Danke für die Aufmerksamkeit und schaut doch mal auf unserer Homepage: http://celldivision.ch vorbei, wer neugierig geworden ist und uns noch nicht kennt, kann sich dort auch ein paar Songs runterladen.

Interview: Andreas Ohle