Blood Dead And Sexy



DH: Stellt Euch zunächst einmal selber kurz vor. Wie seid Ihr zur Musik gekommen und wie kam es zur Gründung von Blood Dead And Sexy?

Rosa Iahn: Die Band besteht aus mir, Rosa Iahn, Sänger und aus dem Bassisten Tim Schande, dem Drummer Björn Henningson und dem Gitarristen Boris Hack. Björn, Tim und Wolfgang unsere damaliger Gitarrist und ich haben die Band Mitte der Neunziger gegründet. Am Anfang stand ein Demo Tape und ein paar lokale Gigs. Leider gab es am Anfang kein großes Interesse an unserer Musik. Das hat sich schlagartig mit der Wiedergeburt der Deathrock / Batcave Szene zur Jahrtausendwende geändert.

DH: Eure Musik geht zweifelsohne in die Richtung Batcave / Gothicrock. Wie kommt es, dass ihr genau diese Art von Musik macht? Gibt es da in Eurer Jugend besondere musikalische Vorprägungen?

Rosa Iahn: Ich glaube, dass diese Musik einfach in uns drin ist. Sie drückt exakt das aus, was wir fühlen. Wir waren als wir klein waren verrückt nach Musik. Musik ist eine Kunstform, die direkt ins Herz geht ohne den Umweg über das Gehirn zu nehmen. Dabei sind Musikrichtungen ziemlich egal. Unsere Musik klingt halt so wie sie klingt, weil sie uns so am nächsten ist.

DH: Musikalisch besonders interessant sind bei Blood Dead And Sexy die Anleihen an den psychedelischen Rock der 60er und den Glam-Pop der 70er. Ist es wichtig für Euch anders bzw. eigenständiger zu klingen als andere Batcave Bands?

Rosa Iahn: Wie gesagt, wir machen uns darüber wenig Gedanken. Es geht uns nicht darum so wie oder anders als andere Bands zu klingen. Wir machen die Musik nach unserem Gefühl, weil es uns nur darum geht, uns auszudrücken. Ich gehe davon aus, dass unsere Musik allein aus diesem Kontext heraus anders klingt als von anderen. Wir sind ja schließlich alle Individuen mit unterschiedlichen Gefühlen.



DH: Euer neues Album heißt Narcotic Room. Erzählt uns etwas zu dem Album. Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD und wie entstand der Kontakt zu Eurem Label Dark Dimensions / Alice In …?

Rosa Iahn: Zwischen unseren ersten beiden Alben liegen zwei Jahre Zeit. Das hat allerdings mehr mit der Tatsache zu tun, dass wir viel Zeit dafür geopfert haben, die richtige Besetzung für die Gitarre zu finden. Der Schaffensprozess für Narcotic Room war ungefähr ein Jahr lang. Ein Wunder, wenn man bedenkt das die Songs auf Paint It Red in einem Zeitraum von fünf oder sechs Jahren entstanden sind. Wir waren sehr überrascht, dass wir auch so schnell arbeiten können. Der Kontakt zu Dark Dimensions kam ziemlich unkompliziert zu Stande. Frank, unser Labelboss, hat das erste Album gehört und uns direkt gesigned.

DH: Narcotic Room wirkt auf mich sehr düster, dunkel und verstörend. Immer ist in gewisser Weise ein Form von Weltschmerz zu spüren. Ist Eure Musik in gewisser Weise ein Spiegel Eurer Seelen? Seid Ihr dem "realen" Leben gegenüber ähnlich eingestellt, wie dies in Eurer Musik zum Ausdruck kommt?

Rosa Iahn: Ich kann nicht unterscheiden zwischen unserem künstlerischen Schaffen und uns als Privatpersonen. Es sind zwei Seiten, die zusammengehören wie die zwei Seiten einer Münze. Bloody Dead And Sexy ist die Art und Weise, wie wir die Realität für uns reflektieren.

DH: Seht Ihr Narcotic Room in gewisser auch als ein sozialkritisches Album an, dass bestimmte gesellschaftliche Missstände aufzeigt? Wenn Ihr etwas an der Welt verändern könntet, was würdet Ihr tun?

Rosa Iahn: Ich glaube, dass Narcotic Room ein viel persönlicheres Album ist als Paint It Red. Es geht bei dem Album für mich nicht um größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Es reflektiert unseren Seelenzustand. Wenn das jemand als Gesellschaftskritik interpretiert, habe ich auch nichts dagegen. Kunst ist im besten Fall eine Kettenreaktion, dann ist sie interessant. Wenn ich jemandem meine persönliche Gesellschaftskritik aufdrücken wollte, würde ich ein Buch schreiben oder in die Politik gehen. Zur zweiten Frage: Ich würde der Welt einen Gott geben, wenn ich etwas verändern dürfte.

DH: Welche Auswirkungen hatte der tragische Tod von Wolfgang Reetz im Jahr 2000 auf den Sound der Band? Habt Ihr in gewisser Narcotic Room auch für Wolfgang aufgenommen?

Rosa Iahn: Der Tod von Wolfgang war für uns eine mentale Katastrophe. Er war seit vielen Jahren unser Freund und hat einen sehr großen Anteil an unserem Sound und unser Musikverständnis gehabt. Das perfide ist, dass er den Erfolg, den wir mit der Band im Nachhinein hatten nicht miterlebt hat. Alles was wir jetzt machen, ist irgendwie für ihn.

DH: Ihr seid bereits mit zahlreichen erfolgreichen Szenebands auf der Bühne gestanden. Konntet Ihr bei diesen Auftritten Erfahrungen sammeln, die in die Produktion des neuen Albums mit eingeflossen sind?

Rosa Iahn: Wir haben in den letzten Jahren viel erlebt und gesehen. Ich denke, dass uns vor allem die eigenen Auftritte sehr weitergeholfen haben, unsere Stärken und Schwächen zu definieren. Ich könnte jetzt kein spezielles Erlebnis nennen, aber ich denke, dass wir musikalisch und künstlerisch sehr gereift sind in den letzten Jahren.



DH: Besonders gut gefällt mir der Song " A Friend In Mescalin". Wie entstand die Idee zu diesem Song und wovon handelt das Lied?

Rosa Iahn: Der Song handelt von der Flucht aus der Realität, mit seinen guten und seinen gefährlichen Seiten. Ich kann nicht mehr genau rekonstruieren, woher die Idee stammte. Aber ich kann mich immer noch gut mit dem Song identifizieren.

DH: Gibt es bestimmte Themen oder Ereignisse, die Euch beim Songschreiben für dieses Album besonders beeinflusst haben? Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die alle Songs schreibt oder entstehen die Songs im gemeinsamen Zusammenspiel aller Bandmitglieder?

Rosa Iahn: Jeder Song entsteht anders. Wir haben niemanden, der die Songs schreibt. Wir schreiben die Songs zusammen, d.h. einer hat eine Idee und die anderen führen die Idee weiter. Und wenn man Glück hat steht am Ende ein Song. Das ist ein sehr mühsamer aber zum Glück auch sehr kreativer und fruchtbarer Prozess, der steht und fällt mit unserem Verhältnis untereinander. Ich möchte nicht zu viel über das Thema des Albums verraten, ich möchte, dass sich jeder seine eigenen Gedanken dazu macht.

DH: Ein Thema, dass bei Naroctic Room im Vordergrund steht ist sicher die Drogenproblematik. Songs wie "A Friend In Mescalin", "Find A Cleen Needle" oder "Narcotic Room" sprechen eine deutliche Sprache. Was denkt Ihr selber über Drogen?

Rosa Iahn: Drogen sind das Tor zu einer anderen Welt. Abgrund und Himmel zugleich und sehr gefährlich. Ich möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen und den Leuten sagen, was sie zu tun haben oder wie sie damit umzugehen haben. Das muss jeder für sich selber herausfinden.

DH: Wie kam es zu der Idee neben dem regulären Album noch eine limitierte Doppel CD im Digipack zu veröffentlichen, die eine Bonus CD mit unveröffentlichten Songs enthält?

Rosa Iahn: Die Bonus CD enthält Songs und Versionen, die thematisch nicht auf das Album passen, aber die es doch wert sind, veröffentlicht zu werden.

DH: Auf der Bonus-CD findet sich auch ein Song, der zusammen mit Hans-A-Plast aufgenommen wurde. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit hans-A-Plast? Gab es da vorher schon Kontakte?

Rosa Iahn: Der Kontakt entstand eher zufällig auf einer Party. Es war für uns eine große Herausforderung, einen alten Song aus der NDW Zeit zu assimilieren und mit unserem eigenen Sound aufzunehmen. Besonders wenn wir die Ehre haben mit der original Hans-A-Plast Sängerin Annette zusammenzuarbeiten. Ich denke, das Ergebnis ist sehr Interessant geworden und bildet das Herz der angesprochenen Bonus CD.

DH: Wann wird man Blood Dead & Sexy wieder live in Deutschland sehen? Ist es eine Tour in Planung? Freut Ihr euch darauf die Songs der neuen CD bald live zu spielen?

Rosa Iahn: Eine ganze Tour ist im Moment nicht in Planung. Wir werden aber vereinzelte Konzerte in Europa spielen und diese auch rechtzeitig auf unserer Homepage ankündigen. Und ja, es macht uns großen Spaß unsere neuen Songs live zu spielen. Die meisten haben wir im Laufe des Jahres schon das ein oder andere mal gespielt.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Eure letzten Worte:

Rosa Iahn: Vielen Dank für das Interview. Ich freue mich darüber, dass Interesse an uns besteht. Be cruel to the world!

Interview: Andreas Ohle