Atrocity



DH: Nun gibt es Atrocity ja schon sehr lange und ihr könnt auf eine umfangreiche Bandgeschichte zurückblicken. Wie seht ihr selbst Euren Wandel von einer progressiven Death Metal Band damals vor 20 Jahren hin zu einem Rock-Act, der viele verschiedene Stile in die Musik miteinbezieht? Was hat sich in den letzten Jahren alles verändert?

Alex: Von Beginn an wollten wir mit ATROCITY die Extreme ausloten. Wir haben immer das gemacht wozu wir Lust hatten, wo wir uns musikalisch verwirklichen konnten. Es ist für mich wichtiger wirkliche Emotionen in die Musik einzubringen, zu spüren und zu verarbeiten als stur einen Musikstil zu verfolgen, was auf Dauer zu eintönig wäre und für viele Bands, die mit uns angefangen haben zu Stagnation und schließlich zur Auflösung geführt hat. Für uns war es stets wichtig neue Erfahrungen zu sammeln und selbst etwas in der Metal Szene zu inszenieren, was leider nicht immer ganz richtig verstanden wurde, ha, ha… Verändert hat sich in dem Sinne aber an der Grundeinstellung nichts. Noch immer wollen wir gute Songs schreiben und uns in der Musik ausleben!

DH: Mit dem neuen Album "Atlantis" feiert ihr nun nach 3 Jahren Pause Euer Comeback Wieso diese Schaffenspause?

Tosso: In diesen drei Jahren haben wir viele Dinge in die Wege geleitet, was die Zukunft von ATROCITY betrifft. Zum einen haben wir das Mastersound Studio in wesentlich größeren Räumlichkeiten neu aufgebaut und dort auch einige Bands produziert Zum anderen war ich ein Jahr lang nicht in der Band und wir haben seit ich wieder dabei bin (Frühling 2003) 90% des bestehenden Materials nochmals über Bord geworfen, um eine wirklich frische, neue und kraftvolle Platte abzuliefern.



DH: Wo fanden die Aufnahmen zu dem neuen Album statt.Was darf man von der neuen CD "Atlantis" erwarten?

Alex: Wir haben die ATLANTIS Platte natürlich bei uns im eigenen MASTERSOUND Studio produziert. Einige Texte habe ich in Irland an der Atlantik Küste verfasst. Auf ATLANTIS gibt es jedenfalls die volle Breitseite! Ein Album, dass einerseits ultra heavy ist, andererseits völlig in der düsteren Stimmung des ATLANTIS Konzept aufgeht. Wie bei einem Soundtrack werden die verschiedenen Blickwinkel und Geheimnisse von ATLANTIS beleuchtet und musikalisch umgesetzt.

DH: Besonders der Song "Cold Black Days" gefällt mir sehr gut auf dem Album. Wie kam es zu der Entscheidung als erstes diesen Song als Single auszukoppeln?

Tosso: Der Song „Cold black days“ hat einen Ohrwurmcharakter und ist dehalb geradezu prädestiniert für eine Single, wobei es auch noch mehrere andere heiße Kandidaten gab. Zugleich gibt der auf der Single enthaltene Song „Antediluvian world“ einen Vorgeschmack auf den brachiale Seite des „ATLANTIS“-Albums.

DH: Der Sound des Album klingt diesmal roher und ungeschliffener als bei früheren Veröffentlichungen wie etwa Werk 80. Ist dies beabsichtigt und wenn ja warum?

Tosso: Wir wollten diesmal einen symphonischen und zugleich brutal-brachialen Sound haben, was ja auch hervorragend mit Alex textlichem Konzept harmoniert. Einen Sound, der auch bei Leuten, die sich noch nicht mit dem Thema „Atlantis“ beschäftigt haben, Bilder im Kopf erzeugt.

DH: Welchen Bezug habt Ihr selber zu dem Thema "Atlantis"? Glaubt Ihr, dass es Atlantis wirklich gegeben hat und denkt Ihr, dass eine Hochkultur wie die unsere in der heutigen Zeit ebenfalls Gefahr laufen könnte zerstört zu werden?

Alex: Ich denke, dass irgendein wahrer Kern hinter dem ganzem Mythos steckt. Es sprechen zu viele Dinge dafür, dass es so etwas wie ATLANTIS, oder AZTLAN wie die Azteken es nennen würden, wirklich gegeben hat. Wie weit diese Hochkultur wirklich entwickelt war, wird sich nur schwer beweisen lassen. Man hat zwar einige so genannte Indizien, und entsprechende Vermutungen so wie seriöse Theorien über ATLANTIS entwickelt, aber eine richtige Entdeckung oder die vollständige Lüftung des Geheimnisses gab es seither nicht. Man vermutet ziemlich stark, dass eine Verbindung zu der zum Großteil noch unerforschten Megalith Kultur bestehen könnte, was durchaus Sinn macht. Man weiß bis heute nicht genau, wo diese Kultur ihren wahren Ursprung hat, vielleicht Atlantis? Darin liegt auch der Reiz des Ganzen... Ich habe mich jedenfalls schon länger für den Mythos interessiert und viel darüber gelesen. Die Platte behandelt den Aufstieg und Fall von ATLANTIS, die Mythologie und Legende davon wie das Wissen nach dem Untergang in die Welt getragen wurde. Als die Zeit reif war, haben wir uns entschlossen das ATLANTIS Konzept umzusetzen! Die heutige Weltmacht USA spiegelt eigentlich ganz gut die Gefahr wieder, wie eine so genannte Hochkultur vielleicht durch falsches Handeln untergehen könnte. Das war auch wohl seinerzeit Platos Intuition dem antiken, griechischem Reich die Gefahren eines Untergangs aufzuzeigen. Ägypten, Rom, die Mayas und Azteken, sie sind alle zu Grunde gegangen. Wir sollten uns nicht zu sicher fühlen und wachsam sein…

DH: Wie kam es zu der Idee einen Multimediapart zusätzlich auf die CD zu bringen, der weitere Informationen zu dem Thema "Atlantis" enthält?

Alex: Daniel Fleck, der Betreiber der www.atlantia.de Page, der selbst auch Metal Fan ist, hat zu jedem meiner Texte eine Menge Hintergrundinformationen geschrieben, die prima das Ganze ergänzen. Es ist wirklich toll zu sehen, wie schon mancher Hörer ins ATLANTIS Fieber geraten ist! Es freut uns, quasi den Soundtrack dafür zu liefern. Vielleicht gelingt es uns ja tatsächlich eine ähnliche Begeisterung wie bei BLUT, dem Vampir Album, zu schaffen!

DH: Wenn Ihr zurückblickt, gab es ein bestimmtes Album für Euch, wo ihr sagt, dass ist genau das, was Atrocity sein soll?

Alex: Na, vielleicht ist das gerade die ATLANTIS Scheibe, auf der wir alle möglichen Atrocity Trademarks vereinigt haben. Der Reiz liegt darin, dass harte Elemente mit höchstmelodiösem und bombastischem Material völlig im Einklang stehen!



DH: Atrocity sind für ihre Liveauftritte berühmt. Wird es eine besondere Umsetzung des Albums auf der Bühne geben? Ist schon etwas in Planung?

Tosso: Wir haben schon einige Ideen, wie wir das ATLANTIS-Konzept live umsetzen, doch dazu möchte ich noch nichts verraten.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Album. Euch gehört das Schlußwort:

Alex: Ich hoffe, die Leute können mit dem ATLANTIS Album völlig abtauchen! Wir sind ein Volk! Tosso: Dank an alle Fans! Das Warten endet, die Schlacht um ATLANTIS beginnt!!

Interview: Andreas Ohle