Atlantic Popes



Es ist sicherlich vielen Lesern bekannt, daß ich eine Schwäche für Synthiepop habe. Somit ist es nicht verwunderlich, daß ich beim hören der ersten ATLANTIC POPES CD ins Schwärmen gerate. Denn das Duo, bestehend aus Bernhard Lloyd und Sänger Max Holler, produzieren genau diese Musik - Synthiepop. Doch damit nicht genug, es gibt ja auch in diesem Musikbereich lieblos dahin gespielte Songs, ohne Gefühl und Emotionen. Anders bei ATLANTIC POPES, also die beiden Musiker haben es wirklich drauf. Es wundert mich ehrlich, daß die beiden noch keinen Plattendeal eines Major Labels in der Tasche haben. Denn ATLANTIC POPES spielen nicht nur einfach Synthiepop, nein es ist mehr. Mann merkt förmlich, daß die Beiden mit vollem Herzen beim Musizieren sind. Die Songs sind alle sehr einfühlsam und entwickeln sich nach kürzester Zeit zu Ohrwürmern. Dabei geht die Spanne von tanzbaren Stücken bis hin zu verschmusten Balladen. Die ganze Produktion klingt extrem professionell, man merkt sofort, daß hier keine Neulinge am musizieren waren. So entschloß ich mich kurzerhand ATLANTIC POPES ein wenig auszufragen.

Könntet ihr zum Anfang erst einmal etwas über euch und eure künstlerische Entwicklung sagen?

Seit nun fast 20 jahren mache ich Musik, von Anfang an ausschließlich mit Synthezisern und Sequencern. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen, da ich nie ein Instrument gelernt habe. Aber die Ära des Punk und New Wave war so inspirierend, daß es leicht war einen Weg zu finden um Musik zu machen. Mitte 1982 gründete ich mit Frank Mertens eine Band und nachdem wir kurze Zeit später in Marian Gold einen genialen sänger gefunden hatten wurde daraus Alphaville. Seitdem hat Alphaville 5 reguläre Studioalben produziert... und die Dreamscapes-Box mit 8 CD´s und 10 Stunden Musik die das komplette künst-lerische Schaffen zeigt. Für mich hat sich von der Intention eigentlich nicht viel geändert seit den Anfängen, immer noch liebe ich elektronische Klänge und immer noch bin ich auf der Suche nach dem idealen Popsong. Ich denke da geht es Max nicht viel anders, seine Entwicklung ist sicher ähnlich auch wenn ihm dabei die Erfahrung "Alphaville" fehlt/erspart geblieben ist.

Wie und wann kam es zur Gründung von Atlantic Popes ?

Max und ich trafen uns 1989 in Südwest- Frankreich am Atlantikstrand, befreundeten uns, und machten Musik miteinander. Max spielte mir seine Songs vor und mich hat die tiefe Stimme einfach umgehauen. Wir hatten immer nur sporadisch Zeit uns zu treffen, mal in Frankreich, mal im Lunaparkstudio in Berlin. Aber wir arbeiteten an den Songs über Jahre weiter, und konnten uns nicht von ihnen trennen, im wahrsten Sinne des Wortes. Über all die Jahre haben wir so viel Material gesammelt ohne zu wissen was wir damit eigentlich anstellen sollten. Bis wir uns letztes Jahr endlich entschlossen unter dem Projektnamen Atlantic Popes an die Öffentlichkeit zu gehen. Öffent- lichkeit bedeutet in unserem Fall, da wir beide zu scheu sind um auf die Bühne zu gehen: Internet! Unter anderem beflügelt durch den Erfolg der Alphaville.de Seite haben wir uns entschlossen unsere Webseite www.atlanticpopes.de zum Nucleus unseres Schaffens zu machen.



Wie seid ihr auf den Namen Atlantic Popes gekommen und was möchtet ihr damit ausdrücken?

Tja, was will uns der Künstler damit sagen? Wie auch bei unserer Musik und den Texten soll und kann der Rezipient assoziieren. Der Atlantik als Urkraft und gleichzeitiger Geburtsort des Projektes ist wohl klar. Das mit den Popes ist provokativ gemeint. Wir haben jedenfalls nichts für die Hierarchie der katholischen Kirche übrig. Na und außerdem steckt doch das schöne Wort POP darin.

Wieso bezeichnet ihr Atlantic Popes als ein virtuelles Projekt?

Weil man uns nicht auf der Bühne erleben wird, sondern nur im Netz, und das bietet viel Freiraum sich etwas auszudenken.

Wie beschreibt ihr selber den Sound von Atlantic Popes und was hat euch dazu bewogen gerade diese Form zu wählen, gibt es Vorbilder?

Sound zu beschreiben finde ich immer sehr schwierig, vor allem wenn man sich keiner Schublade zugehörig fühlt. Popmusik klingt zu allgemein, ist aber sicher die große Überschrift. Elektronisch und warm. Groovy und relaxt. Atmosphärisch und zeitlos. Aber das sagt genauso viel, als würde ich sagen: blau und himmlisch.

Meine Vorbilder haben sich eigentlich nie geändert, und reichen von Kraftwerk über OMD bis hin zu Ferry und Bowie. Bei Max ist das noch wesentlich weiter gefächert. Unsere Form der Songs und des Sounds ist nicht bewußt gewählt, sondern ergibt sich immer intuitiv aus der jeweiligen Situation und den gerade bestehenden Vorlieben.

War die zugesandte CD euer erster Schritt an die Öffentlichkeit, oder gab es vorher schon Veröffentlichungen? Hat das Album eigentlich ein Namen?

Ja dieses Album ist die erste Veröffentlichung und es hat keinen Namen.

Schon beim ersten anhören eurer CD habe ich mich gewundert, daß ihr noch keinen Plattendeal in der Tasche habt. Habt ihr kein Interesse an einem Deal, oder woran liegt es, daß ihr eure CD in Eigenproduktion aufgenommen habt?

Wir haben noch nicht einmal darüber nachgedacht eine Plattenfirma zu fragen. Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Seit dem es möglich ist eine komplette Musikproduktion im Computer abzuwickeln, von der ersten Sequenz bis zum fertigen Master in höchster Qualität und man über das Internet es selbst vertreiben kann, ist man völlig unabhängig und das ist uns wichtig. Und es macht einfach mehr Spaß, ist direkter und nicht so abgehoben. Aber die Unabhängigkeit von der Musikindustrie ist der wichtigste Aspekt.

Wie kam es, daß ihr die beiden Songs Love" und Ice" einmal in Englisch und einmal in Französisch eingesungen habt? Wird es auch mal einen deutsch gesungen Song geben?

Max hatte die Idee, er ist sehr frankophil, lebt ja auch fast die Hälfte seiner Zeit dort. Es gefiel uns sehr, gerade bei diesen beiden Stücken, die Verbindung zwischen der doch sehr eigenwilligen französischen Sprache und Max´s tiefer Stimme. Deutsche Songs wird es wahrscheinlich (never say never) nicht geben.

Woher kommen die Ideen und Texte eurer Songs? Welche Bedeutung steht hinter euren Songtexten?

Tja, wenn ich das wüßte woher die Ideen kommen. Dann könnte ich diese Quelle immer anzapfen. Ich habe ehrlich keine Ahnung. Es passiert einfach so.... wenn es denn passiert. Die Texte sind philosophisch bis erotisch. Wir sehen die Texte als Assoziations-quelle an. Und so entstehen sie auch eigentlich. Nicht immer ist selbst uns ganz klar was gemeint ist. Es gibt wenige Texte wie "World" zum Beispiel mit ganz klaren Aussagen. Die meisten Texte erzeugen mit der Musik zusammen einfach nur schöne Bilder.

Wie entstehen eure Lieder, wer macht was bei euch?

Die Aufgabenteilung ist oberflächlich betrachtet sehr klar: Ich sitze am Computer und den Synthesizern und Max sitzt geduldig hinter mir und wirft seine Ideen ein. Max singt und schreibt die Texte. Aber obwohl sich das nach starker Trennung der Aufgaben anhört, entsteht alles in völliger Gemeinsamkeit. Ich kann mich nicht erinnern, daß wir jemals große Auseinander- setzungen gehabt hätten. Seine Geduld und Ruhr wenn ich am basteln bin ist bewunderns- wert. Auf der anderen Seite, weiß ich genau wenn er sagt "Stop", daß er eine Idee hat die er ausprobieren muß. Ich brauche immer irgendetwas auf das ich aufbauen kann. Ich hasse es, mich vor den leeren Screen zu setzen.

Welche Bedeutung hat für euch euer künstlerisches Wirken, was gibt es euch? Freiheit. Spaß. Freude. Frieden. Liebe.

Gab es schon Auftritte von Atlantic Popes? Falls ja, wie setzt ihr eure Musik live on stage um? Nein, Liveauftritte wird es auch nicht geben. Wir denken eher daran uns beim Arbeiten per Webcam zuschauen zu lassen.

Womit beschäftigt ihr euch noch neben der Musik?

Internet. Fußball. Familie. Max interessiert sich für Boxen und Motorradfahren. Aber das wichtigste ist einen harmonischen, friedlichen Umgang mit seinen Mitmenschen zu lernen.

Habt ihr schon konkrete Pläne für die Zukunft, oder wartet ihr erst einmal die Reaktionen auf euer Album ab?

Wir werden weiter machen, in diesem Jahr noch wird es ein weiteres Album geben. Die Reaktionen auf das Album sind hervorragend. Max und ich machen seit 11 Jahren Musik zusammen, warum sollten wir jetzt aufhören?

Was haltet ihr von Leuten, die eure CD`s unerlaubter weise vervielfältigen/brennen? Seht ihr darin eure musikalische Existenz gefährdet?

Tja, schwieriges Thema. Ich kann jeden, besonders Jüngere verstehen, der das macht. Aber wenn man in der Lage ist das Produkt zu bezahlen, sollte man es auch tun. Die Brötchen und das Auto müssen ja auch bezahlt werden, warum wird Musik dann gestohlen? Was mir fehlt ist das Unrechtsbewußtsein. Aber ich denke das hängt damit zusammen, daß die Menschen wissen, daß der Künstler bei einer "normalen" Produktion sowieso nur einen Bruchteil von einer verkauften Platte erhält, und man das Gefühl hat, man bestiehlt sowieso nur einen Industriekonzern. Und die ganz großen Stars verdienen ja auch so genug, denkt man. Durch die großen Raubkopie-Verluste, werden aber die großen Plattenfirmen noch mehr gezwungen auf den totalen Kommerz a`la NoAngels zu setzen. Grausam! Aber das ist wie gesagt wirklich ein kompliziertes Thema.

Gibt es sonst noch etwas, was ihr gerne loswerden möchtet?

Wir möchten auf jeden Fall ALLE einladen unsere Website zu besuchen: www.atlanticpopes.de Everybody is a pope!

Ich kann es mir nicht nehmen lasen und möchte euch zum Schluß noch meine Standartfrage stellen. Was eßt ihr am liebsten?

Die Frage find ich gut! Am liebsten esse ich warme Foie Gras mit geschälten Weintrauben in Soße. Aber ein gutes Rumpsteak tut´s auch. Max ist übrigens ein excellenter Koch. Wenn wir im Herbst in Frankreich gearbeitet haben hat er immer wunderbare Pilzgerichte zubereitet... mit selbst gesuchten Pilzen. Das war immer ein echtes Abenteuer.

Ich bedanke mich für das Interview, wünsche euch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Atlantic Popes und überlasse euch die letzten Worte in diesem Interview. Wir sagen auch vielen Dank und.... LIVE AND LET LIVE!

Interview:
Michael Strohschein

info@atlanticpopes.de
www.atlanticpopes.de