Area 24


DH: Zu Anfang könnt Ihr mir etwas über Euch und Eure künstlerische Entwicklung erzählen? Seit wann macht Ihr eigentlich Musik und wie ist das aktuelle Line-Up?

Ich mache jetzt Musiik seit ich 14 bin - Aus einer Laune heraus habe ich mir eine Gitarre gekauft und eine Band mit zwei Freunden gegründet. Das ging damals so in Richtung elektro-pop/wave. Wir haben immer nur geprobt, aber zu einem Auftritt ist es damals leider nie gekommen. Dann lernte ich in der Schule ein paar Musiker kennen, mit denen funktionierte das irgendwie besser und ich hab die Gitarre erstmal abgegeben und hab nur gesungen. Das ist mir aber schnell gegen den Strich gegangen, weil ich selber damals noch keine Songs schreiben konnte - auch bei den Texten haperte es und somit war ich dann recht unglücklich, live immer nur die Songs und Lyrics meiner Bandkollegen zu performen. Dann hatte ich eine kleine PAuse von der Musik, in der ich mich fast ausschließlich der Literatur gewidmet habe, ich habe dann Literaturwissenschaften studiert, was ich letzten Endes aber auch nicht sonderlich beglückend fand. An der Uni habe ich dann Matze ("DocMaKlang"-Studio - Osnabrück) kennen gelernt, der für viele Jahre mein musikalischer Begleiter und Mentor werden sollte. Er fragte mich ob ich nicht bei seiner Band "Morgentot" als Bassist und Sänger einsteigen wolle, da habe ich dann zugesagt und unter anderem Bass-spielen gelernt. Wir haben dann auch die letzten zwei der drei "Morgentot" - Alben zusammen produziert - Mitlerweile hatte ich mir -ganz und gar Autiodidakt wie ich bin- Songwriting und Produktionstechniken angeeignet.

Mit "Morgentot" haben wir dann auch an die 200 Konzerte gespielt, hier habe ich dann sozusagen meine Ausbildung in Sachen live-performance gemacht. Während dieser Zeit habe ich angefangen Songs zu schreiben, die gar nicht zu "Morgentot" passen wollten. Die habe ich in meinem mittlerweile aufgebauten Heimstudio auch aufgenommen. Es waren sehr melancholische Songs, sehr düster und zT sehr schwer und im Prinzip war das schon die Vorproduktion zu "Songs From The Underspere".

Diese Vorproduktionen habe ich dann einfach bei Myspace veröffentlicht - ohne weitere Hintergedanken, bis mich eines Tages ein befreundeter Musiker anrief, der eigentlich Metal macht, das war der Peter Breitenbach von der fast schon legendären Formartion "Warhead", der aber von meinen Songs wirklich hingerissen war. Er hat mich dann ermutigt, daraus eine richtige Band zu formieren und ein ganzes Album zu komponieren. So habe ich dann in meinem Tagebuch geforscht und habe nach Musikern gesucht, die zum einen musikalisch sehr, sehr gut sind, zum anderen aber was das menschliche angeht, die zT sehr sehr privaten und intimen "Songs From The Undersphere" auch mit mir tragen können.

Eine ähnliche Odyssee ihrer musikalischen Laufbahn haben auch die anderen Mitglieder hinter sich, aber ich bin wirklich sehr, sehr froh, mit Earl Grey an der Gitarre, Ice M. am Bass und Sash am Schlagzeug eine hervorragende Band zusammengetrommelt zu haben, die wie ein Mann hinter der Musik steht und diese live auch auf außergewöhnlich hohem Niveau präsentieren kann.


DH: Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die Songs schreibt oder entstehen die Songs im gemeinsamen Zusammenspiel?

Es ist so, dass ich die Songs daheim in meinem Heimstudio aufnehme und den anderen dann vorspiele. Vor allem mit dem Gitarristen Earl Grey, aber mitunter auch gemeinsam im Proberaum kommen dann die Ideen der anderen Mitglieder dazu und letzendlich nehmen wir nur Songs auf, die allen sehr gut gefallen. Das liegt wohl daran, dass ich so schöne Songs schreibe ;-) ***grins***

DH: War "songs from the underspare" für Euch die erste große Produktion oder gab es zuvor schon Veröffentlichungen von Euch?

Wie gesagt, ich selber hatte mit "Morgentot" schon zwei größere Produktionen gehabt, Earl Grey hatte mit seiner ehemaligen Band "Radiant" auch schon eine Veröffentlichung, aber im großen und ganzen ist "Songs From The Undersphere" das erste richtig große Ding für alle. Ich glaube, wenn man das Album hört, kann man auch spüren, wieviel Arbeit und Herzblut wir da alle reingesteckt haben.

DH: Habt Ihr selber das Gefühl, dass ihr mit dem Album Eure eigenen musikalischen Grenzen neu definiert und überschritten habt?

Die Songs stammen ja allesamt von mir, aber ich glaube, dass ich mit "Area24" und den "Songs From The Undersphere" letzlich endlich meine wahre Bestimmung gefunden habe. Insofern habe ich meine Grenzen neu definiert, als dass ich nun endlich weiß, dass ich nur auf mein Herz zu hören habe, wenn ich Songs schreibe. Ich darf und muss nicht mehr in Schubladen denken, sondern kann mich ganz auf mein Bauchgefühl verlassen - dann werden die Songs auch richtig gut und vermögen Gefühle zu vermitteln. Ich erinnere da an die Maxime von "Kraftwerk": "Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen"

DH: Wie ist diese Veröffentlichung bei euren Fans angekommen?

Sehr sehr gut - Das macht mich froh und auch ein klein bischen Stolz - Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich alles selber gemacht, von den Songs bis hin zur Produktion bis hin zum Artwork und ich bin wirklich sehr zufrieden.

DH: Welche Reaktionen gab es von seiten der (Szene -- Fach) Presse?

Oh, da gibt es inzwischen eine ganze Reihe von wirklich guten Reviews - vor allem dahingehend bin ich stolz. Trotz der Schwere der Songs und der Melancholie wird mir bescheinigt, dass das Album "trotz aller Schwere" sehr sympathisch ist, und das man das Album gerne "länger im CD-player läßt". Man hat uns in der "Zillo" wie auch im "Sonic Seducer" oder "Legacy" attestiert, dass wir die gute alte Songwriter Tradition aus der Wave/Gothic-Szene zu kombinieren wissen mit modernsten Produktionstechniken

DH: Wie lange habt ihr an der Fertigstellung für die neue CD gearbeitet? Wo wurde sie aufgenommen und produziert?

Nachdem ich die Songs fertig geschrieben und arrangiert hatte, habe ich einen alten Freund, den Stefan Rolf vom "SteRoiD" - Studio in Osnabrück gefragt, ob er unsere Songs in seinem kleinen, aber sehr hochwertigen Studio aufnehmen mag - Das hat er dann gemacht, wobei es ihm lediglich darauf ankam, gute Spuren aufzunehmen, dabei hat er den finanziellen Aspekt total unter den Tisch fallen lassen -Wir sind halt auch schon lange Freunde - letzten Endes haben wir uns knapp drei Monate in seinem Studio getummelt, und ich muss sagen, ich habe meinen Mitmusikern echt alles, und vor allem auch das letzte abverlangt, ich hab sie wirklich gequält, wobei es mir ausschließlich darauf ankam, vor allem von der Atmosphäre her gute Takes aufzunehmen, selbst wenn diese musikalisch technisch nicht perfekt, warten - hauptsache, das Gefühl stimmte.

Produziert habe ich das Album selber, zusammen mit meinem besten Freund Matze vom "DocMaKlang"-Studio in Osnabrück. Er hat ein sehr sehr gutes Händchen bei diesem Album bewiesen, die Musik klingen zu lassen, ohne dabei in die Routine zu verfallen, alles möglichst laut und mächtig klingen zu lassen. Dafür bin ich Matze auf ewig sehr dankbar und ich freue mich darüber, dass mir meine Freunde so ziemlich jede Gefälligkeit gern erwiesen haben, denn eine solche, äußerst hochwertige Produktion wie "Songs From The Undersphere" hätte ich mir eigentlich gar nicht leisten können - Aber das Ergebnis spricht für sich....

DH: Gibt es einen Song auf dem Album, der euch besonders am Herzen liegt? Wenn ja, welcher und warum?

Ja, einen solchen Song gibt es tatsächlich, auch wenn ich mich sehr schwer damit tue, meine eigenen Songs in einer Art Rangliste zu bewerten. "Flowers" ist ein wunderschöner Song geworden, volller Gefühl, voller Ehrlichkeit und vor allem voller Melancholie - Ich liebe diesen Song - jedes Mal wenn wir den live performen hab ich noch immer eine Gänsehaut.

Ich mag die Songs alle gerne - besonders schön finde ich auch "The Rectangle", weil meine liebe Freundin Sabrina Mertinkat (Ex.-"Die Schweine") da so wundervoll Geige gespielt hat


DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Danse Macabre ? Gab es zuvor schon Kontakte mit dem Label?

Nein, leider gab es vorher kaum Kontakte mit "Danse Macabre", obwohl ich deren Treiben und vor allem "Das Ich" und "Rozencrantz" seit längerem sehr interessiert verfolge. Henning (Sänger von "Rozencrantz") - auch ein guter Freund - fragte mich schließlich, ob ich vielleicht dem Bruno Kramm ("Das Ich"), Chef von "Danse Macabre"- Records mal ein Demo zuschicken wolle. Das habe ich dann gemacht, und nach wenigen Telefonaten war der Deal perfekt. Bruno und "Danse MAcabre" geht es nicht um das Ausschlachten von möglicherweise kommerziell erfolgreichen Produkten, vielmehr geht es darum, die viel geschmähte, deutsche Underground-Szene zu fürdern und zu fordern.Er fand das Album einfach schön und gelungen und wollte es daher gern bei "Danse Macabre" veröffentlichen.

DH: In Euren Songs ist oft eine gewisse Melancholie festzustellen. Seid Ihr melancholische Menschen? Würdet Ihr gerne ab und zu dem realen Leben auch mal entfliehen?

Hmmmm.....ja........eigentlich schon...beides....Aber der Reihe nach. Melancholie oder Schwermut machen sicherlich einen großen Teil meiner Persönlichkeit aus, da entsteht auch schnell der Eindruck, dass ich ein trauriger Mensch bin, dem ist aber nicht so. Ich bin ein Mensch, der viel in der Nacht lebt und aus der Nacht auch seine Inspirationen schöpft - Wenn ich songs schreibe, dann meist, wenn ich nicht so gut zufrieden bin und nicht nur an der Welt, sondern vor allem an mir selber zweifel. Das sind meine eigenen dunklen Stunden und mit den "Songs From The Undersphere" habe ich es zum ersten Mal gewagt, die Gedanken die einem Nachts aufs Bett kommen, mit anderen Menschen zu teilen. Ich bin aber sicher, wenn ich meinem Herzen folge und offen und ehrlich bin, dann kann ich viele Menschen erreichen und viele Menschen können sich beim Hören des Albums geborgen fühlen. Bei Area24 dreht es sich nicht um irgendeine Kommerz-Geschichte.

DH: Freut Ihr Euch schon darauf, demnächst die Songs Eures Albums live zu spielen? Wird es zu dem Album auch eine Tour geben?

Es gibt nichts schöneres, als live auf der Bühne die eigenen songs zu spielen, und das haben wir auch schon ausgiebig getan! Dem Album wohnt ja eh ein gewisses live-flair inne, was wohl daran liegt, dass es uns bei der Produktion nicht nur um technische Überlegenheit, sondern vielmehr um Ehrlichkeit und Echtheit ging. Wir sind derzeit dabei, eine ausgiebige Tour zu planen.

DH: Vieles auf dem neuen Album scheint auch in gewisser Weise selbstanalytisch. Habt Ihr auf diesem Album auch Selbsterlebtes verarbeitet? Wie wichtig ist Euch der inhaltliche Aspekt in Euren Songs?

ALLE Songs auf dem Album beschreiben eine Situation oder manchmal auch nur einen Moment, den ich selber erlebt habe. Ich habe versucht, das in einfache Worte zu verpacken, wobei es manchmal recht anspruchsvoll sein könnte, den wahren Sinn der Lyrics zu begreifen, da ich es liebe, in Bildern der Romantik zu schwelgen. Ich bin eh ein hoffnungsloser, nee, hoffnungsVOLLER Romantiker Die Lyrics sind für mich das A und O. Ich habe so gut ich es kann, versucht möglichst offen und ehrlich zu verdeutlichen, worum es in den einzelnen Songs geht. Seid sicher! Alles ist wirklich erlebt und genau so geschehen ! Naja, zumindest habe ich es so wahr genommen....

DH: Wenn Ihr in der Welt etwas verändern könntet, was würdet Ihr tun? Würdet Ihr gerne in anderen Welt als der unseren leben?

Da fehlt ein unbestimmter Artikel in Deiner Frage, ..oder eine Dativ-Marker....aber egal.....

NAKLAR würde ich gerne Dinge verändern, die schief laufen in der Welt, aber vielleicht sollte ich es an dieser Stelle mit einem Zitat vom Baron Instetten belassen:

"DAS ist ein zu weites Feld....."

DAS würde den Rahmen dieses Interviews sprengen....

Und in einer anderen Welt möchte ich nicht leben - ich hab mich an die Kälte und an die Belanglosigkeit gewöhnt.

DH: Wieviele Veröffentlichungen gab es bisher von Euch?

Neben einem Sampler anlässlich des "Nezzerama 2009" - Festivals, ist "Songs From The Undersphere" unser Debut.

DH: Nennt mir drei gute Gründe, warum man dieses Album unbedingt kaufen sollte.

1. Die Musik geht ohne Umweg über das Gehirn direkt ins Herz
2. Die Lyrics sind sehr intim und authentisch.
3. Hör Dir das Album an, dann findest Du 1000 Gründe...

DH: Welche Instrumente spielt Ihr noch?

Ich bleib, neben dem Gesang, der für mich die Königin aller Instrumente ist, bei Gitarre und Keyboards, unser Gitarrist hat auch eine umfassende Ausbildung zum Pianisten und Posaunisten hinter sich (bringen müssen), unser Trommler kann auch hervorragend Klavier spielen und unser BAssist ist BAssist mit Leib und Seele

DH: Wenn man solche Musik mach, fragt man sich, was Ihr wohl sonst so für Musik hörst?

Ich hab grad in der Runde mal rum gefragt:

Wir konnten uns auf "The Cure", "Peter Gabriel" und "Björk" einigen. Das ist möglicherweise überraschend, aber wir alle mögen Musik, die etwas wagt und Menschen berühren kann

DH: Gibt es Nebenprojekte, die Ihr betreibt?

Seit der Gründung von "Area24" gibt es eigentlich keine Nebenprojekte mehr....nur unser Gitarrist Earl Grey is momentan stark mit "Rozencrantz" unterwegs

DH: Womit verdient Ihr eure Brötchen?

NaJa...mit Musik halt.......aber weil das manchmal nicht reicht, haben wir alle nebenjobs annehmen müssen

Sash, der Trommler, arbeitet als Dozent am Konservatorium

Ice M., der Bassist hat einen Lehrauftrag an einer Hochschule

Der Gitarristv Earl Grey hat sich grade im Einzelhandel selbstständig gemacht und ich selber gebe Gitarren-Unterricht und kümmere mich desweiteren um schwer erziehbare Blagen an einer recht gewalttätigen Hauptschule

DH: Habt ihr ein Lieblingsfestival?

Yupp - Pink Pop

DH: Ist "Urlaub" eigentlich ein Fremdwort für einen vielbeschäftigten Menschen wie Dich, oder hast Du manchmal auch die Möglichkeit ein paar Wochen frei zu nehmen, um etwas zu relaxen? Und...wie verbringst Du Deine freie Zeit in der Regel?

Wann immer es die Zeit erlaubt, fliege ich nach Island. Ich habe dort lange Zeit gelebt - Dort ist meine zweite Heimat.

DH: Was für Pläne habt ihr 2009?

Viel live spielen . eine Streicher-Gruppe für live-Events zusammenstellen und einen V ideo-Clip produzieren

DH: Was würdet ihr für Geld niemals tun?

Uns kaufen lassen.

DH: Welche Vorbilder oder Helden habt ihr?

Wir haben keine Vorbilder - Ein Held ist Ian Curtis. Ein Held ist Gallileo - Ein Held ist Björk

DH: Was wollt ihr nach der Musik machen?

Es gibt kein Leben NACH der Musik - Es gibt nur ein Leben MIT Musik
Wenn ihr einen Wusch frei hättet, was würdet ihr euch wünschen?

"Do unto others as you, would have others do unto you"
("The Rectangle" - "Area24"")

Interview: Claudia Wagner