The Ancient Gallery




DH: Seit wann gibt es Euch eigentlich? Wie habt Ihr Euch damals zusammen gefunden?

Enni_W: Uns gibt es nun wirklich schon lange unter dem Namen „THE ANCIENT GALLERY“ wobei die ersten Jahre wohl eher „Lehrjahre“ waren im Hinblick auf musikalisches Verständnis und Bühnenerfahrung. Auf professionellem Niveau arbeiten wir seit dem Album „Deinstallation“ im Jahre 2000.

DH: Wieso habt Ihr Euch für den Bandnamen "The Ancient Gallery" entschieden? Soll dieser Name etwas bestimmtes ausdrücken?

Enni_W: Der Name ist ein Überbleibsel aus den Anfangstagen und… einen Namen legt man nicht ohne weiteres ab, zumal er inhaltlich sehr vieldeutig ist und wir uns, wie gesagt, sehr damit identifizieren.

Convex: Oft erreichte uns die Frage: „Warum ein englischer Name und deutsche Texte, wie passt das zusammen?“ Wie Enni schon sagte, er ist ein Überbleibsel aus der Anfangszeit, in welcher auch unsere Texte ausschließlich in englischer Sprache geschrieben wurden. Bei der Planung unserer neuen Platte stand dieses Thema auch im Raum und es wurde auch über einen Namenswechsel nachgedacht. Allerdings waren die Verbundenheit mit diesem Namen und der daran hängenden Geschichten und Erlebnisse zu groß, um diese einfach aufzugeben. The Ancient Gallery ist unser leben.

DH: Eure Musik bewegt sich meiner Meinung nach zwischen alternativem Rock und progressivem Industrial mit deutschsprachigen Texten. Stimmt Ihr mir in dieser Sichtweise zu oder wie würdet Ihr Eure Musik selbst beschreiben? Wie kommt es, dass Ihr genau diese Art von Musik macht?

Conex: Irgendwo trifft es das mit Sicherheit. Ich glaube, es ist für jede Band schwer, ihren eigenen Stil zu beschreiben oder gar einzuordnen. Zu Beginn hat man gewisse Vorstellungen, in welche Richtung ein Stück gehen soll, dann trägt jeder von uns vier Musikern seinen Teil zum fertigen Song bei und das Endresultat ist der typische T.A.G. Sound. Es ist die Verschmelzung vier unterschiedlicher Charaktere. Das Ergebnis ist, glaube ich, ein sehr eigenständiger Musikstil. Vielleicht liegt es auch daran - selbst wenn wir wollten - dass wir einfach nichts anderes können?

Friedrich, M.: T.A.G. bestehen aus vier Musikern, die menschlich zwar „auf einer Wellenlänge funken“, musikalisch aber teilweise sehr unterschiedliche Ansichten von „guter Musik“ haben. Unsere Musik-Geschmäcker bewegen sich von Klassik bis Techno von Country bis Industrial. Ich würde die T.A.G. Musik vielleicht in „Tanzflächenorientierten Industrial Rock“ einordnen.

DH: Ihr kommt aus Dresden - seht Ihr heutzutage noch Unterschiede zwischen der westdeutschen und ostdeutschen Musik? Denkt Ihr, dass es zumindest was die Musik angeht, in Deutschland keine Mauern mehr gibt?

Enni_W: Eine gute Frage, zumal ja gerade wieder einige Künstler aus dem Osten sehr erfolgreich sind. Woran das liegt, weiß ich nicht. Aber im Endeffekt ist es doch nur Musik, welche von Menschen mit den gleichen Mitteln gemacht wird – eine Gitarre bleibt eine Gitarre! Von Mauern würde ich nicht sprechen wollen – aber ich persönlich habe beobachtet und erfahren, dass es durchaus unterschiedliche Strukturen in der Musikindustrie zwischen Ost und West gibt – und das ist natürlich auch logisch. Angefangen von den Konzertbesuchern bis hin zu merkwürdigen Geschäftsgebaren der Firmen…

DH: Euer neues Album lautet auf den Namen "alles ist nichts". Ist der Name Programm? Friedrich, M.: Auf jeden Fall. Am deutlichsten kommt das bei unseren Live-Shows rüber. Da geben wir alles… bis nichts mehr geht ?.

Was erwartet den Hörer bei Eurem neuesten Werk? Wie lange dauerten die Aufnahmen zu der CD? Friedrich, M.: Der Aufnahmeprozess ging relativ schnell, nur das Produzieren hat relativ lange gedauert, da wir diesmal wirklich alles richtig machen wollten. Alles in allem haben wir 5 oder 6 Monate gebraucht.



DH: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Alex Krull von Atrocity? War diese Zusammenarbeit für Euch etwas neues Ungewohntes und konntet Ihr mit Hilfe von Alex Krull als Mixer Eurer Musik eine neue Note verleihen?

Convex: Als wir unser Album vor der eigentlichen Produktion besprachen, galt es die Rollen in punkto Vorproduktion, Aufnahmen, Produzent, Mix und Mastering zu verteilen. Mit den Möglichkeiten, welche uns im hauseigenen Studio zur Verfügung standen, war der „Fahrplan“ schnell gefunden. Um dem Ganzen aber noch eine besondere Note zu verleihen, wollten wir den Mix gern in fremde Hände geben und suchten nach jemandem mit der nötigen Erfahrung in unterschiedlichen Musikgenres. Der Auserwählte sollte ein Ohr für den richtigen Gitarrensound sowie für alle elektronischen Bestandteile unserer Musik haben. Da fiel der Name Alex Krull. Es war mit Alex ein sehr effektives Arbeiten, er verstand sofort in welche Richtung das ganze gehen sollte. Am Songwriting selbst wurde nichts mehr verändert, es wurden noch einige Sounds getauscht und schließlich der Endmix erstellt. Zu guter letzt hat er unsere Scheibe durch sein grandioses Mastering veredelt. Unserer Musik hat er genau den Kick gegeben, welchen wir noch vermissten, bzw. noch erwarteten um vollkommen zufrieden zu sein.

Friedrich, M.: Ungewohnt war die Zusammenarbeit aber nicht. Bereits für unser letztes Album KOPFDELAY hatten wir auch andere Mixer (Rudie von den Blind Passengers & Die Skeptiker und Tec_DC von Tanzwut, Corvus Corax). Natürlich arbeitet Alex ganz anders, nicht zuletzt, weil er aus einen ganz anderen musikalischen Ecke kommt. Auch Alex ist ein Profi durch und durch. Er hat uns sofort verstanden.

DH: Ihr seid bereits als Remixer für diverse Bands u.a. Das Ich und Terminal Choice tätig gewesen. Wie denkt Ihr über Remixe? Denkt Ihr, dass es von einigen Eurer Songs demnächst auch Remixe geben wird?

Enni_W: Schön das Du fragst; ja auf der neuen Maxi „was wir wollen“ gibt es neben dem originalen Album-Track auch noch drei abgefahrene Remixe u.a. von IN STRICT CONFIDENCE & HAUJOBB. Wir mögen Remixe wirklich gerne, als Künstler, der geremixt wird, zum einen, da man vor Augen geführt bekommt, was wirklich im eigenen Song steckt. Und als Remixer selbst: da man sich selbst in einen bestehenden Song einbringen kann und in (natürlich subjektiv) noch pushen kann – bisher hat das immer gut funktioniert.

Convex: Das interessante an Remixen ist, das man einen Einblick in die Arbeitsweise anderer Künstler erhält. Man kann den Song in den meisten Fällen in alle Einzelteile zerlegen und lernt immer wieder etwas dazu. Unser neuester Streich ist ein Remix für Nik Page, für ihn haben wir den Song „Seelenfänger“ in die Mangel genommen. Das Ergebnis erscheint im Januar auf seiner Maxi zu „Mysteryland“.

DH: Eure Songtexte sind immer sehr tiefgründig und nachdenklich. Gibt es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die Euch beim Songschreiben beeinflussen? Wie entsteht ein Song bei Euch?

Robin W.: Das Liederschreiben ist bei uns eher ein gleitender Prozess. Wir haben versucht, über die Jahre einen möglichst effektiven Weg zu finden um Lieder zu schreiben. Statt stundenlang im Proberaum zu stehen und zu warten, bis uns die Muse küsst, bauen wir die Skelette unserer Songs (Texte wie Musik) getrennt voneinander. Dadurch ist man konzentrierter und wird weniger von den anderen abgelenkt, welche dann eh nur herumsitzen und Wein trinken. Also: wir bauen die Skelette und dann bringen wir alles zusammen. In diesem Moment kommt der Bauch zum Einsatz. Hier merkt man, ob es funktioniert oder nicht. Hier werden Kompromisse gemacht oder alles verworfen. An dieser Stelle ist TAG.

Enni_W: Wobei es schon eine Arbeitsteilung gibt, was die Musik betrifft. Friedrich und Convex sind in erster Linie für das Songfundament verantwortlich – mein Part besteht eher darin, dem Song eine Melodie zu verpassen, neben den Gitarren natürlich. Es kann schon mal vorkommen, dass Robin und ich uns zusammensetzen und versuchen, seinen Text möglichst flüssig auf den Song zu bekommen.

Robin_W: Zum Text: Ich habe mir im laufe meines Lebens ein drittes, ein lyrisches Auge wachsen lassen. Ich lasse mich ganz schnell von allem inspirieren was irgendwie aus der Norm fällt. Das versuche ich dann lyrisch zu verarbeiten.

DH: Werden zum Release des Album Konzerte stattfinden? Ist eventuell eine Tour in Planung? Wo kann man Euch demnächst live erleben?

Enni_W: Die offizielle Record Release Party war am 29.10. in Dresden (Klub Neue Mensa). Wir sind jetzt erst mal wieder in Osteuropa (Estland, Littauen, Lettland) unterwegs und hoffen aber, dass wir im Frühjahr nächsten Jahres einige Konzerte in ganz Deutschland durchziehen können. Einfach auf der Homepage: www.theancientgallery.com informieren.

DH: Eure Konzerte sind immer angelegt als ein konzeptionelles Gesamt-Artwork mit Performances, Kostümen und Lichtspielen. Wie wichtig ist Euch dieser Teil Eurer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit? Denkt Ihr, dass Eure Musik durch das Liveerlebnis einen besonderen Eindruck auf den Zuschauer macht.

Robin W.: Definitiv! Ohne eine gute Performance ist eine Liveshow, dass sagt ja schon das Wort Show an sich, nur die halbe Miete. Nichts ist nerviger als eine Band in T-Shirt und Jeans, die gelangweilt ihre Songs, und mögen sie noch so gut sein, runter spielt. In meinen Augen grenzt das fast schon an Betrug. Aus diesem Grunde arbeite ich und auch die anderen ständig an unserer Performance. Der Zuschauer soll auch was geboten bekommen – ohne jedoch etwas Künstliches und Unechtes zu sehen.

DH: Aufgrund Eurer audiovisuellen Präsenz gestattet mir die Frage, ob geplant ist, "The Ancient Gallery" demnächst auch in Bild und Ton - sprich auf DVD zu veröffentlichen? Welche weiteren Pläne gibt es nach dem Album?

Convex: Unser Record-Release Konzert haben wir mitschneiden lassen. Es wird dann zum Song „was wir wollen“ auf jeden Fall ein Video geben. In welchem Rahmen dieses dann präsent sein wird, oder ob das ganze Konzert auf DVD erscheint steht noch nicht fest. Am 25.10.04 erschien unsere Maxi-CD zu „was wir wollen“ mit den Remixen von „IN STRICT CONFIDENCE“ & „HAUJOBB“. Im Frühjahr ist dann die zweite Single, mit darauf enthaltenem Videoclip, geplant. Ein neues Album orientieren wir auf den Herbst 2005.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit "The Ancient Gallery". Euch gehört das Schlusswort: Enni_W: Danke allen, die uns bisher unterstützt haben – wir wissen wer ihr seid und was wir ohne euch wären!

Info: www.theancientgallery.com

Interview: Andreas Ohle