Amphi Festival 2016





Das Amphi Festival fand dieses Jahr erneut am Kölner Tanzbrunnen statt. Ein grossartiges Festival mit viel Abwechslung und zahlreichen Überraschungen. Alle Fotos dazu in unserer Fotogalerie auf Facebook.

Vom 23.- 24. Juli 2016 fand das Amphi Festival wieder am Kölner Tanzbrunnen statt. Bereits am 22. Juli konnten die ersten Gäste einen Vorgeschmack auf das Festival bekommen, denn mit Oomph! und Apoptygma Berzerk traten zwei hochkarätige Szenebands auf der MS Rheinenergie auf. Das Motto lautete "Calling The Ship To Port" und dies war ganz wörtlich gemeint, denn nach Einlass aller Gäste legte das Schiff ab und schipperte gemütlich vier Stunden im Sonnenuntergang auf dem Rhein. Danach folgte ein entspanntes Kennenlernen bei der offiziellen Amphi Pre-Party bei der diverse Szene-DJs für tolles Partyfeeling sorgten.



Samstags begann der erste Festivaltag klassisch um 10.00 Uhr mit der Bändchenausgabe. Anstehen war angesagt bis man endlich das glückseligmachende kleine Armband tragen konnte. Und dann ging es endlich auf das Hauptgelände. Welch eine tolles Gefühl wieder hier zu sein, nachdem man letztes Jahr in die Lanxess Arena verbannt worden war. Der erste Weg war natürlich zum Tanzbrunnen, der gemütlich vor sich hinsprudelte. In der Mitte war ein großer Met-Stand plaziert und lud zum gemütlichen Frühshopppen ein.

Und schon bald erklangen die erste Töne von der Mainstage. (X)-RX und Solitary Experiments eröffneten das Amphi 2016 und sorgten gleich für das richtige Amphi-Feeling, während im Theater Angels & Agony die nötige Electropower lieferten. Dort folgte nach eine kleinen Pause dann Dive. Was für ein geniales Konzert! Druckvoll und düster klangen die elektronischen Rhytmen und Soundfrequenzen aus den Boxen. Und hier muss man ein großes Lob an die Techniker mal loswerden, denn der Sound im Theater war absolut perfekt.



Bei diesem Amphi-Festival gab es soviel zu sehen und so viele Möglichkeiten Dinge zu erleben, wie bei keinem zuvor. Einzigartig für Europa! Dies wurde spätestens klar, als mein Weg mich zu der neuen Orbit-Stage führte. Die Veranstalter hatten extra hierfür die MS Rheinenergie für beide Tage gechartet. Das Luxus-Schiff ist komplett zur schwimmenden Konzerthalle umgebaut, bietet zwei Ebenen mit Galerie und Sitzmöglichkeiten, natürlich auch umfangreichen Bordservice und gemütliches Beisammensein auf dem Oberdeck mit Blick auf den Dom. Welches Festival bitte schön kann so etwas absolut geiles bieten?

Auf der Orbit-Stage spielten am ersten Tag hauptsächlich Gothicrock und Wavebands. Mit Bloodsucking Zombies From Outerspace und Laura Carbone ging es los. Dann folgten die überragenden Lebanon Hanover, Whispers In The Shadow, Der Fluch und Nosferatu. Ein großartiges Erlebnis, so manch einer, hörte man sagen hat an diesem Tag das Schiff gar nicht mehr verlassen.



Nachdem es mittags ein wenig geregnet hatte, beruhigte sich das Wetter und die Sonne kam gelegentlich zum Vorschein. MIttlerweile war das Konzertgelände sehr gut gefüllt und viele Leute nutzten die Gelegenheit an den zahlreichen Ständen vor Ort shoppen zu gehen. Die anderen sahen ihre Lieblingsbands auf der Mainstage. Megaherz hatten einen sehr guten Auftritt und überzeugten durch ihre wiedergewonnene Spielfreude. Statt nur Brachialtum hörte man auch die ein oder andere mitreissende Melodie. Das konnte man von Stahlzeit leider nicht sagen, die eine exakte Kopie von Rammstein versuchten, aber daran letztlich scheiterten, dass sie nur Stahlzeit sind und eben nicht Rammstein. Zwar war es mitunter schön die alten Rammstein Songs noch einmal zu hören und sich an frühere Zeiten zu erinnern, doch es hatte auch etwas von Leichenfledderei.

Mit Mono Inc., Tarja, Peter Heppner und Blutengel als Hauptact hatten man an diesem Samstag eine gute ausgewogene Mischung auf der Mainstage, die jeden ansprach. Blutengel waren eindeutig überragend und sind ein Phänomen. Chris Pohl zeigte sich in bester Laune und hatte scheinbar sehr viel Spass daran erstmals in der Karriere von Blutengel als Hauptact auf dem Festival zu spielen - eine schöne Belohnung für die viele Arbeit der letzten Jahren. Das Publikum war begeistert und selbst diejenigen, die bis dahin nur an der Strandbar gemütlich gefeiert hatten kamen nun dazu.



Überhaupt die Strandbar, das war auch ein Bereich des Festivals, der für sich selbst stand. Hier konnte man gemütlich entspannen im Liegestuhl mit Blick auf Vater Rhein und den Kölner Dom. Dazu gab es an der Bar interessante Cocktails und diverse andere Alkoholiker. Es fehlte wirklich an nichts, um es den schwarzen Seelen an diesem Wochenende recht zu machen.

Nur leider musste man vor dem Theater abends lange anstehen um Neuroticfish und Front Line Assembly sehen zu können. Wer zu spät kam, hatte da keine Chance mehr. Aber so ist das halt: der frühe schwarze Vogel fängt den Wurm. Das Theater war für beide Bands in jedem Fall die richtige Kulisse. Eine großartige Lichtshow bei Frontline Assembly liess die Musik der Band visuell aufleben und erzeugte einen unheimlich gar verstörenden Film im eigenen Kopf. Was danach folgte war die großartige Aftershow-Party im Theater, bei der wieder mehrere Szene-Djs ihr bestes gaben.



Und so folgte schon der zweite Tag. Die ersten Festivalbesucher standen bereits um 11.00 Uhr an der Main Stage, denn die Synth-Popper von Beyond Obsession eröffneten diesen Morgen. Bislang als Geheimtip gehandelt hatte die Band auf dem Amphi-Festival Gelegenheit vor großem Publikum zu spielen. Und die Leute kamen zahlreich. Doch mich verschlug es dann in die Theater Stage. Denn hier traten Xotox auf. Die legendäre Industrialband von Mastermind Andreas Davids präsentieren einen Querschnitt durch ihre lange Schaffensgeschichte. Druckvolle treibende Bässe und Rhytmen brachten die Festivalbesucher am frühen Morgen schon zum Tanzen. Ein wahres Electrofrühstück mit Schwangengesang.



Gut gestimmt zog ich weiter. Nachdem ich kurze Blicke auf Tüsn, Unzucht, Mantus, The Beauty Of Gemina erhaschen konnte, zog es mich mittags wieder Richtung Orbit Stage, denn die Temperaturen waren nun stark angestiegen. Es war sehr warm und die Sonne brannte vom Himmel, der richtige Zeitpunkt also für das vollklimatisierte Schiff mit musikalischer Untermalung von XMH, Cryo und The Devil & The Universe. Herausragend hier zu nennen ist letztere Band. The Devil & The Universe sollten schon im letzten Jahr auf der Orbit Stage in der Lanxess Arena spielten, wurden aber abgesagt, und holten nun also quasi das Konzert nach. Und was für eines! Der Beginn mystisch und düster, die Musiker trugen wie immer ihre Schafsmasken und spielten ein 50 minütiges Set, das es in sich hatte. Zu hören gab es Songs von ihrem brandneuen Album und ein paar Klassiker. Geschickt fusionierte die Band dabei ihre eher synthetischen Klänge mit echter psychedelischer E-Gitarre und tiefen düsteren Trommelschlägen. Ein wirklich imposantes Konzert, für mich das beste an diesem zweiten Tag.



Danach ging es wieder zurück zur Mainstage um wieder klassisches Amphi-Feeling zu erleben. Solar Fake, Suicide Commando und Covenant hatten die Stage und das Publikum voll im Griff. Gebannt starrte man auf die Bühne und ignorierte dabei die Sonne, die immer noch im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel brannte. Und was folgte war klar, ein Sonnenbrand! Aua! Das einzige Festivalmitbringsel, das kostenlos ist. Die Schlange am Trinkbrunnen hatte derweil auch zugenommen. Bei dieser Hitze vor dem Trinkbrunnen zu warten, ist schon ganz schön anstrengend, wenn man durstig ist. Vielleicht wäre es ratsam im kommenden Jahr vor dem Staatenhaus einen weiteren Brunnen zu installieren.



Und schon spielten die beiden letzten Bands an diesem Tag auf der Mainstage - Project Pitchfork und die Editors - in beiden Fällen die richtige Wahl. Project Pitchfork hatten für diesen Auftritt ein sehr interessantes Set vorbereitet und klangen weit poppiger als bei ihren normalen Konzerten. Sicherlich war dieser Umstand der Tatsache geschuldet, dass sie erstmals seit langer Zeit beim Amphi-Festival wieder auf der Mainstage spielten. Das Publikum war begeistert. Time Killer, The Dividing Line ... die Liste der Klassiker war lang die an diesem Abend von Project Pitchfork zu hören waren. Bis dann endlich ihr grosser Hit Souls kam und man ein Meer von Händen sehen konnte. Was für ein schönes Konzert ... und dann war schon plötzlich schon Schluss. Das Amphi-Festival war zuende. Es kamen die Editors auf die Bühne und spielten ein grandioses Abschlusskonzert. Und es war wirklich vorbei. So schnell und kurzlebig, eines der besten Festivals der letzten Jahre! Wahnsinn! Bis 2017 Amphi! Wir sehen uns wieder! (Andreas Ohle)