Akanoid



DH: Seit wann gibt es eigentlich Akanoid und wie ist der Name damals entstanden? Könnt Ihr Euch noch an die Anfänge erinnern und denkt Ihr gerne an diese Zeit zurück?

AKANOID existiert seit etwa 10 Jahren, allerdings haben wir uns als Duo gegründet, dass sich dem Freigeist der alternativen, elektronischen Dance Musik verschrieben hatte, und schon damals verspielt experimentierte. Gitarren, zum Teil auch härterer Gangart und Vocaleinsätze waren jedoch von Beginn an im Boot. Der Name "AKANOID" fiel mir ein, da ich ein Fan des alten C64 Spiels "ARKANOID" war, dessen Titelmelodie mein Fable für elektronische Musik anheizte. Die Bedeutung, die der Name in dieser Schreibweise hat, ist ein Pseudonym für den sich windenden Verstand, dem bewusst Alternierenden.

DH: Euer neuer Longplayer Civil Demon sprüht vor Kreativität. Gibt es eine Art Gruppengefühl, das Euch immer wieder zu neuer Kreativität inspiriert?

Es sind mehrere Gründe, die das Ganze anfachen. Zum Einen sah ich nach dem Ausstieg von Uwe als letztes Gründungsmitglied einer Neustrukturierung entgegen , die mit neuen Freiheiten und neuen Möglichkeiten aufwartete. Ich hatte noch eine Menge Ideen, die sich in der Zeit vor dem Umbruch angestaut haben, und die haben wir gemeinsam mit den neuen Impulsen und Einflüssen umgesetzt, wobei sich die quasi neuen Bandmitglieder erst an die Arbeitsweisen im Studio mit den vielen Aspekten der Songentwicklung gewöhnen mussten. Nun sind wir ein zusammengeschweisstes Team, das seine Ideen mit Enthusiasmus und "Gruppendynamik" umsetzt.

DH: Bei Akanoid fällt vor allem der kompromisslose Soundmix zwischen Electro-Pop und Industrial-Rock auf. Wieso spielt Ihr genau diese Art von Musik? Gab es da in frühen Jahren gewisse Vorprägungen?
Natürlich gab es die. Während bei Dirk, Phil und Gregor die privaten Vorlieben eher rockiger oder auch metallischer ausfallen, jedoch ein reges Interesse an elektronischen Einflüssen zeigen, sieht das bei mir sehr gemischt aus. Ich liebe die Möglichkeiten der Elektronik, sprich Flächen, Samples, fette Synthbässe, BeatLoops, gefilterte Gitarren oder einfach das Schaffen von Atmosphäre. Die Elektronik ist in der Lage selbst das Abstellen einer Kaffetasse zu einem interessanten Percussion Sound zu machen, das Ganze kombiniert mit der dynamischen Kraft einer Band ist der Traum den ich immer leben wollte. Natürlich erfinden wir das Rad nicht neu, denn diese Kombi ist und war nicht ungewöhnlich, doch glaube ich haben wir da einen sehr eigenen Weg eingeschlagen!
DH: Wenn Ihr Euch entscheiden müsstet: Seid Ihr eher eine Electro-Pop oder eine Industrial-Rock Band? Was würdet Ihr dann antworten?

Nichts von beidem! Es ist für uns selbst schwer, eine Kategorisierung finden zu müssen, da wir nicht spartenorientiert denken und arbeiten. Es tut uns leid wenn der ein oder andere Fan der "Cocktail Pop" von etwas härteren Gangarten der aktuellen "Civil Demon" gekränkt ist, aber die Bestandteile unserer Musik, wenn auch mit gleichbleibender Zutatatenliste verändern von Zeit zu Zeit ihre Konstellation und ihr Mischverhältnis, und wir werden uns nie auf eine bestimmte Gangart festlegen, denn Stillstand ist gleichermassen der kreative TOD.

DH: Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Eurer neuen CD Civil Demon? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Echozone?

Die Dauer lässt sich nur schwer schätzen, da einige Ideen zu Anfang der Produktion bereits als Rohidee vorhanden waren, und man meiner Meinung nach während der Entwicklungsphase des Albums immer wieder Pausen machen sollte um Abstand zu gewinnen, es reifen zu lassen und ein Stück weit neue Objektivität zu erlangen. Das kann schon ein paar Monate dauern. 2006 kontaktierte mich unser ehemaliger A&R (Labelmanager), der uns vormals auf Insolation (einem Unterlabel der ZOOMIA Gruppe), unserem ersten Label betreut hatte. Er erzählte mir von seiner neuen Anstellung und lud uns nach Rücksprache mit seinem Chef ein, um sich ein Bild von unseren damals aktuellen Ideen zu machen, kurz darauf kam die Zusammenarbeit zustande, die bis heute anhält. Echozone hat in den letzten 2 Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt, mit fabelhaften Kollegen an Bord.

DH: Im Vergleich zu früheren Akanoid Veröffentlichungen finden sich auf dem neuen Album viel härtere und rockigere Klänge. Ist dieser Wandel bewußt von Euch vollzogen worden? Wusstet Ihr von Anfang, wie das Album im Endergebnis klingen sollte?

Ja, das wussten wir. Einige Songkonzepte sind bedeutend älter als die Songs des Vorgängeralbums, denn ich hatte in mancherlei Hinsicht noch eine Rechnung offen. Die Entwicklung wurde von der ganzen Band angestrebt, und war sowohl hinsichtlich des Live Feelings und des inneren Antriebs eine Zwangsläufigkeit, es trafen sich gereifte Ideen wie "Pain", "Strange Obsession" oder auch "The Nihilist" mit neuen Impulsen und Strategien wie "Unbreak Me", "100 Burning Guitars" oder auch "Hand over Head". "Climax" hat wohl die Längste Entwicklung zu verzeichnen, da seine Strophe etwa 13 Jahre auf einen Refrain warten musste. Wir handeln sehr bewusst,aber auch lustgesteuert, wissend wo unsere Neigungen uns hintreiben, ohne uns dagegen zu wehren, denn alles Andere wäre Unterdrückung und Verleugnung des inneren Drangs und dem von Herzen stammenden Wunsch, das zu tun, was wir tun müssen.



DH: Gab es bestimmte Erlebnisse oder Ereignisse, die bei den Aufnahmen zu der CD Ideengeber waren? Schreibt Ihr Eure Songs eigentlich alle als Gruppe zusammen?

Das ist sehr unterschiedlich, es gibt Ideen die nahezu gänzlich oder in entscheidenden Punkten von einem Bandmitglied stammen, wie "All the Noise", das unser Drummer Dirk inklusive der Gesangslinie geschrieben hat, oder "Hand over Head", das Phils Handschrift trägt, bei mir kann das ein "Strange Obsession" aber auch ein "100 Burning Guitars" werden. Sogut wie alle Songs werden aber von der kompletten Band verfeinert und zur Endversion entwickelt. Uns prägen bereits einige gemeinsame Erfahrungen, nicht zuletzt weil wir auch privat viel miteinander unternehmen, und da entstehen schon einige Geístesblitze, ob das nun das Ausprobieren meiner neuen Giatrre mit übertrieben vielen Spuren ist, wie bei 100 Burning Guitars, Dirks manifestiertes Schrittempo auf dem Weg durch die Stadt, das zu "All the Noise" führte oder gar das im besoffenen Kopf ausgraben und abfeiern einer Demoversion wie bei Jump into the Hive. Die Abwechslung ist eines unserer Grundrezepte, das uns davor bewahrt auf einer Schiene einzurasten.

DH: Besonders gut gefällt mir der Song "Strange Obsession". Wovon handelt das Lied? Wovon handeln generell Eure Texte?

Die meisten Texte sind persönlich Erfahrungen, Gefühle oder Gedanken, die mir widerfahren sind, im Falle von "100 Burning Guitars" geht es beispielsweise mit ironisch autobiografischem Touch um meinen verzweifelten Versuch endlich mit einer Band los zu rocken, den Punkt können wir ja nun jetzt abhaken, "Subtitle" ist beispielsweise eine Kampfansage, die textlich über Jahre unsere aktuelle Situation widerspiegelt und somit eine kleine Weissagung beinhaltet, "++%", um mal bei den Ausnahmen des Albums zu bleiben ist die ultimative Liebeserklärung, die eine Betitelung unmöglich macht, deshalb der kuriose Name. Und um auf den ersten Punkt der Frage zurückzukommen, "Strange Obsession" ist der zerstörerischen Sehnsucht gewidmet, die einen in der Liebe umtreiben kann, und für unkonventionelle Verläufe und dramtatische Enden in Liebesbeziehungen sorgt, ein mir nicht gänzlich unbekanntes Phänomen.

DH: Möchtet Ihr mit Eurer Musik etwas besonderes ausdrücken?

Ungebundenheit,Freiheit, Mut zum Ausdruck, unpolitisch aber Stellung beziehend! Wir tun innerhalb unserer Möglichkeiten was wir wollen und können, man mag die Texte beachten oder ignorieren, auf der Musik lastet die Hauptaussage, und die ist vorrangig emotional geprägt, man folge dem Gefühl das sie verbreitet und man weiss was sie will!

DH: Hilton, Du bist Sänger bei Akanoid. Singst Du lieber im Studio oder live? Inwieweit ist dies eine besondere Herausforderung für Dich?

Die beiden Szenarien könnten unterschiedlicher nicht sein, während ich mich bei der einen allein im Halbdunkel ganz Ausdruck und Intonation sowie eventuell spontan fliessenden Eingebungen hingebe und auf Perfektion aus bin, lebe ich bei der anderen banddynamisches, spontanes Gefühl, das zwar einer Richtlinie, nämlich dem fertigen Song folgt, aber auch eindeutig der Auslebung und Umsetzung eines Plans gleichkommt, der endlich in die Tat umgesetzt wird. Ich bin in dieser Hinsicht nie fahrlässig und meist sehr gut vorbereitet, denn besoffene Möchtegern Rockstars hat die Welt schon genug. Solange die Leute Eintritt für ein Konzert bezahlen, gebe ich alles, um ihnen den Abend zu versüssen. Das ist mein Anspruch und meine Herausforderung!

DH: Könntest Du Dir auch vorstellen ein Duett mit einer Sängerin oder einem anderen Sänger zusammen aufzunehmen?

Natürlich, abgesehen von existierenden Passagen mit unserer Ex-Synth Frau Daggy, hatte ich ein Duett mit De/Vision Frontmann Steffen im Sinn, für dessen Umsetzung momentan beiderseitig noch die Zeit fehlt. Es gab und gibt da noch weitere Ideen mit anderen Sängern und Sängerinnen. Für Kooperationen bin ich immer offen,denn ich liebe musikalischen Austausch, da er in für mich eine Bereicherung darstellt.

DH: Demnächst tretet Ihr auf dem WGT in Leipzig auf. Seid Ihr schon aufgeregt? Wann kann man Akanoid wieder in Deutschland auf Tour sehen?

Wir freuen uns sehr auf das WGT, zumal es unser erstes ist, und wir auf einige Freunde und geschätzte Kollegen in unerwartetem Ausmass treffen. Zwar ist unsere Platzierung ein wenig abenteuerlich, nichtsdestotrotz werden wir aber unser Ding durchziehen und danach ordentlich feiern! Wir planen noch an einer Tour die vorraussichtlich im Herbst stattfinden soll, in welchem Rahmen jedoch ist noch nicht zur Gänze geklärt.

DH: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Euch gehört das letzte Wort.

Wir bedanken uns bei den Lesern und der Redaktion für das Interesse, und besonders bei unseren Fans und all denen die loyal zu uns stehen. Für Euch geben wir das Letzte!

Alles Gute und schönen Gruss.

Interview:
Hilton, AKANOID
Andreas Ohle, Dark Heart Magazin