Absurd Minds



DH: Erzählt uns zunächst etwas Über Euch. Wie seid Ihr eigentlich zur Musik gekommen? Wie kam es damals zur Gründung von Absurd Minds?

Angefangen hat alles 1995. Dies war der Zeitpunkt wo wir das Projekt ins Leben riefen. Damals noch unter einen anderen Namen. Wir machten die Musik damals ausschließlich für uns, d.h. dass es so gut wie keine Ambitionen gab, bei einem Label unterzukommen. Nicht, weil wir es nicht wollten, sondern eher, weil wir auf diese Idee gar nicht gekommen sind. Wir wollten uns einfach nur kreativ ausdrücken und diese Bestrebung sollte sich selbst genügen. Man hat uns dann im Jahre 1999 den Plattenvertrag sozusagen auf dem Sibertablett serviert, ohne dass von uns irgendwelche Aktivitäten kamen, die sonst so üblich sind. Andere haben uns sozusagen einen Arschtritt gegeben, die Stücke die sich bis dahin angehäuft hatten, einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

DH: Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2005 und gerade ist Euer neues Album Noumenon erschienen. Nach dem letzten Album The Focus und Eurem Megaerfolg mit dem Song „Herzlos“ – war es da für Euch ganz persönlich in irgendeiner Weise schwierig an dem neuen Album zu arbeiten? Gab es für Euch so etwas wie Erfolgsdruck?

Natürlich ist es nicht einfach, etwas Neues anzupacken. Es stellt sich immer die Frage, ob genug Ideen zusammenkommen, um ein vollwertiges, unseren Ansprüchen gerecht werdendes Produkt zu erschaffen. Wir setzen alles daran, dass die neuen Songs qualitativ nicht zurück stehen, doch ist etwas Neues, und die Wirkung auf das Publikum ist im Vorfeld nicht kalkulierbar.

DH: Noumenon ist Euer viertes Album – und klingt wie ich finde wieder eine Spur härter und ursprünglicher. Fand hier eine Rückbesinnung auf Eure eigenen Wurzeln statt?

Die Musik tendiert nicht bewusst in irgendeine Richtung. Wenn es Dir so vorkommt, ist es dennoch nicht von uns geplant , sondern entstammt unserer gegenwärtigen Gedanken- und Ideenwelt.

DH: Was haltet Ihr von den aktuellen musikalischen Trends im elektronischen Bereich? Was denkt Ihr über den beliebten Begriff Futurepop? Was glaubt Ihr, in welche Richtung sich die elektronische Musikszene entwickeln wird? Wird der Trend weiter zu Futurepop und Industrial gehen oder wird es eine Rückbesinnung auf den guten alten Electro geben?

Die Elektro-Szene beinhaltet eine Fülle von Stilen, die alle parallel existieren und durch den Geschmack der Konsumenten Bestätigung finden. Jedem seien seine Vorlieben gestattet.

Unsere Meinung spielt dabei keine Rolle.

FuturePop ist eine Synthese aus klassischen Elektrostilen und der Melodiösität des Pop. Er bildet somit die Gelegenheit, Menschen mit unterschiedlichen musikalischen Interessen zusammenzuführen.

Die elektronische Musik hat sich parallel zur technischen Entwicklung verändert, hat an Komplexität zugenommen. Daraus resultiert eine Rückbesinnung auf Altes, zurück zur Einfachheit. Der klassische Elektro wird in nächster Zeit an Bedeutung gewinnen, dem immerwährenden Kreislauf folgend werden diesem Trend neue, komplexere folgen.


DH: Noumenon wirkt auf mich weitaus nachdenklicher und philosophischer. Ein solcher Song ist auch „Gedanken-Reich“. Wovon handelt das Lied und wie entstand die Idee zu diesem Song?

Die Idee zu diesem Song entstand während der Lektüre des Romans „Die Insel des vorigen Tages“ von Umberto Eco. In diesem Buch schildert der Autor in Exkursen philosophische Überlegungen des 17.Jahrhunderts und macht sich in einem Kapitel paradoxe Gedanken über das Denken der Steine. In dem Song „Gedanken-Reich“geht es darum, herauszufinden, was da in uns denkt, wenn ich sage, ich denke. Selbst über den Gedanken kann man ja nachdenken, so dass man sagen kann, das hinter jedem Gedanken eine Art Zeugenbewusstsein steht. Man kann auch sagen, es ist das Auge Gottes, welches sich mit den Gedankeninhalten identifiziert und sich somit als etwas individuelles erfährt.

DH: Hört man sich die neuen Songs an, findet man zwischen den Zeilen auch einiges an Weltkritik. Gab es bestimmte Ereignisse, Themen oder Dinge, die ihr unbedingt auf Noumenon musikalisch verarbeiten wolltet?

Weltkritik gibt es auf dem Album eigentlich keine. Es sei denn du meinst die innere Welt. Es werden fast ausschließlich metaphysische Gedanken kommuniziert. Manchmal in sehr überzeugter Art und Weise, manchmal mit großen Zweifeln..

DH: Denkt Ihr, dass Ihr Euch von manchen anderen Electrobands gerade durch die Tiefe und den Inhalt Eurer Aussagen deutlich unterscheidet?

Wir hoffen, das wir individuell genug sind, stilistisch wie inhaltlich. Schließlich ist unser gesamtes musikalisches Schaffen Ausdruck unserer Gedanken, Emotionen und Vorlieben.

DH: Wenn Ihr etwas in der Welt ändern könntet, was würdet Ihr tun?

Wir würden uns wünschen, dass sich das Wertebild auf diesem Planeten ändert, weg von Egomanie, Geldhörigkeit und Gewissenlosigkeit hin zu mehr Verantwortungsbewusstsein, Verständnis und Respekt Anderen gegenüber.

DH: Besonders erfreulich fand ich, dass sich auf der neuen CD eine neue Version eines meiner persönlichen Lieblingssongs von Euch findet. Wie entstand die Idee dazu „A Man Received The Answer“ neu aufzunehmen?

Diese Idee gab es schon, als wir den Song für die „Deception“ das erste mal aufgenommen haben. Wir waren von den Endergebniss nicht so begeistert. Das bezieht sich nicht auf die Komposition, sondern eher auf das Arrangement, die Auswahl der Sounds und die klangliche und gesangliche Qualität.

DH: Noumenon enthält auch Songs bei denen Ihr teils deutsch und teils englisch singt. Gibt es bestimmte Dinge, die man in der einen oder anderen Sprache besser sagen kann oder wo liegen die Gründe für diese Bilingualität?

Eigenartiger Weise eignet sich die englische Sprache besser als die deutsche, Worte mit Musik zu verbinden. Sie klingt melodiöser und weicher. Gedankenreich ist unser obligatorischer deutschsprachiger Track. In diesem Fall bot sich Deutsch an, bei anderen Liedern eben nicht.

DH: Auf der CD finden sich auch wieder einige potentielle Clubhits. Ist dies bewusst gewollt oder kommt dies einfach durch die Struktur Eurer Musik und Eures Sounds zustande? Einfacher gefragt: Machen Absurd Minds Musik für die Tanzfläche?

Es kristallisiert sich meist am Ende des Komponierens heraus, ob ein Song clubtauglich ist oder nicht. Wir setzen uns nicht hin mit der Anforderung einen Dancehit zu erschaffen.

Irgendwie liegt es in unserem Naturell, dass auf unseren Alben immer ein oder mehrere Stücke sind, die den Weg in die Clubs schaffen, was ein großes Glück ist, da so einem breiten Publikum unsere Musik vorgestellt wird und Interesse für unsere gesamte Arbeit geweckt wird.

DH: Gibt es für Euch außer Musik noch andere Sachen mit denen Ihr Euch beschäftigt? Seid Ihr - abgesehen von der Musik - kulturell interessierte Menschen?

Wir sind alle berufstätig, das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Daneben existiert die Musik. Damit ist ein Grossteil der uns zur Verfügung stehenden Zeit schon belegt.

DH: Wann kann man Absurd Minds wieder auf deutschen Bühnen sehen? Ist eine Tour in Planung? Habt Ihr für die kommenden Konzerte etwas Besonderes geplant?

Am 10.02. spielen wir in Halle mit XOTOX und KieW zusammen. Weitere Auftritte sind in Planung, jedoch nicht in Form einer Tour. Wir visieren dieses Jahr verstärkt die Teilnahme an den grossen Festivals an.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Album. Eure letzten Worte:

Erkenne Dich selbst und deine Grenzen. Überschreite sie, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Schaffe in deinem Leben eine ausgewogene Mixtur aus Veränderung und Stabilität.

Interview: Andreas Ohle